Der Haushaltsentwurf der Stadt Köln für 2027/2028 sieht erhebliche Kürzungen bei der Kölner Freiwilligen Agentur vor. Nach heutigem Stand würden uns rund 200.000 Euro fehlen. Das entspricht einer Kürzung um 45% unserer aktuellen kommunalen Förderung und fast 20% unseres gesamten Jahreshaushalts. Betroffen sind ausgerechnet Bereiche, in denen Ehrenamt seit vielen Jahren Bildung, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt ermöglicht: unsere Ehrenamtsvermittlung, die Willkommenskultur und LeseWelten.
Uns ist bewusst, wie schwierig die finanzielle Situation der Stadt Köln ist. Aber es macht einen Unterschied, wo gespart wird. Denn mit vergleichsweise geringen öffentlichen Mitteln schaffen wir Strukturen, durch die viele Menschen ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Energie für Köln einbringen können. Fallen diese Strukturen weg, verschwinden nicht nur einzelne Angebote. Es gehen Netzwerke, Wissen, Kontakte und über viele Jahre gewachsene Zusammenarbeit verloren.
Ehrenamtsvermittlung: Unser Kerngeschäft wird gekürzt.
Die institutionelle Förderung für die Ehrenamtsvermittlung und -beratung, die seit Jahren nicht an steigende Kosten angepasst wurde, soll nun auch noch gekürzt werden.
„Die Ehrenamtsvermittlung ist das Kerngeschäft der Kölner Freiwilligen Agentur. Wir bringen Menschen, die sich engagieren möchten, mit mehr als 700 gemeinnützigen Organisationen in Köln zusammen. Die langjährige Struktur, die wir aufgebaut haben, darf nicht geschwächt werden. Wer möchte, dass sich Menschen für ihre Stadt einsetzen, muss auch dafür sorgen, dass sie den richtigen Ort für ihr Engagement finden und ihre Fragen beantwortet werden.“ so Susanne Freisberg-Houy, Bereichsleitung Ehrenamt. „Unsere Erfahrung zeigt: Die Bereitschaft zum Engagement ist da. Damit aus dieser Bereitschaft Engagement wird, braucht es Vermittlung, Beratung und verlässliche Ansprechpartner:innen.“1
Willkommenskultur: Gewachsene Strukturen stehen auf dem Spiel
Massiv betroffen ist auch der Bereich Willkommenskultur. Das Forum für Willkommenskultur und unsere halbe Stelle für die Ehrenamtskoordination in Mülheim sind nicht im Haushaltsentwurf enthalten. Dann der nächste Schock: Das Bundes-Programm „Ankommenspatenschaften“, über das der WelcomeWalk seit acht Jahren läuft, wird zum Jahresende überraschend beendet. Insgesamt sind dem Bereich Willkommenskultur 135.000€ gestrichen worden.
„Diese Kürzungen treffen uns hart. Nach aktuellem Stand wäre fast unser gesamter Bereich Willkommenskultur im Januar 2027 verschwunden.“ so Gabi Klein, Bereichsleitung Willkommenskultur. „Und nicht nur wir sind betroffen. Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft haben in den letzten 13 Jahren eine vorbildliche Vernetzung aufgebaut – diese Infrastruktur fällt mit den Streichungen plötzlich weg. Kein gutes Zeichen für eine Stadt wie Köln, die bundesweit als „Leuchtturm für die Willkommenskultur“ bekannt ist. Und ein bitteres Ende für unsere Community aus fast 100 Laiendolmetscher:innen, 850 WelcomeWalk-Tandems und 700 Kinder-Pat:innen und ihren Patenkindern sowie den vielen Engagierten, mit denen wir über das Forum für Willkommenskultur zusammen arbeiten.“ 2
LeseWelten: Weniger Förderung bedeutet weniger Vorlesen
Drastisch betrifft der Haushaltsentwurf auch unsere Vorlese-Initiative LeseWelten. Die bisherige städtische Förderung von jährlich 50.000 Euro soll nach aktuellem Stand vollständig entfallen. Dabei erreicht LeseWelten jede Woche rund 880 Kinder in 110 Kölner Einrichtungen. Rund 200 geschulte Vorleser:innen engagieren sich regelmäßig, weitere Ehrenamtliche unterstützen die Organisation.
„Damit unsere kostenlosen Vorlese-Angebote verlässlich stattfinden können, brauchen wir eine verlässliche Finanzierung. Die voraussichtlich geplante Streichung gefährdet unsere Arbeit essentiell.“ So Franziska Kopp, Leitung LeseWelten. „Die Folgen wären unmittelbar spürbar: weniger Möglichkeiten, neue Vorleser zu gewinnen und zu qualifizieren, weniger pädagogische Begleitung – und letztlich weniger Vorlesestunden für Kölner Kinder. Gerade angesichts der Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten PISA-Studie und den darin beschriebenen eklatanten Herausforderungen bei Sprach- und Lesekompetenzen, halten wir das für das falsche Signal. Wer an der Leseförderung von Kindern spart, spart an ihren Bildungschancen in der Zukunft.“3
Es geht um mehr als drei einzelne Bereiche
Die geplanten Kürzungen treffen drei unterschiedliche Arbeitsbereiche. Im Kern geht es aber immer um dasselbe: Durch die Kürzungen wird zwar kurzfristig Geld gespart, langfristig aber zahlt sich dies nicht aus.
„Mit vergleichsweise geringen öffentlichen Mitteln ermöglichen unsere Projekte ein Vielfaches an bürgerschaftlichem Engagement. Die Hebelwirkung lässt sich an einem konkreten Beispiel ganz einfach darstellen: Laut einer von der Uni Köln durchgeführten Wertbeitragsstudie unseres LeseWelten Projektes verzehnfacht sich jeder investierte Euro. Die kommunale Teilförderung des Projektes betrug 2026: 50.000 €, das wären somit 500.000 € gesellschaftlicher Mehrwert!“ So Karolin Hüner, Geschäftsführerin der Kölner Freiwilligen Agentur, „Zudem sind die kommunalen Mittel in der KFA immer nur ein Teil der Projektfinanzierung, es werden immer noch Zweit- und Drittmittel eingeworben und nach Köln geholt.“
Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die vorgesehenen Kürzungen im weiteren Haushaltsverfahren noch einmal überprüft werden und die Strukturen erhalten bleiben, die bürgerschaftliches Engagement in Köln möglich machen.
Ihr wollt uns dabei unterstützen?
Schreibt der Kämmerin! Hier findet ihr eine Vorlage für einen Brief an die Kämmerin der Stadt Köln, eine sogenannte Haushaltseinwendung. Mit dieser Briefvorlage könnt ihr eure Stimme erheben und die Stadtverwaltung aufrufen, die Kürzungen zu überprüfen und zurückzunehmen. Je mehr Briefe die Kämmerin erreichen, desto besser!
Ein großes Dankeschön für eure Hilfe!!
Wer noch mehr machen möchte: Hier findet ihr viele Ideen, von der Mitgliedschaft über ein Engagement, vom Benefizlauf bis zur Vorstandsarbeit ist fast alles möglich, um die Kölner Freiwilligen Agentur zu unterstützen. LINK
Wir haben zu den einzelnen Bereichen noch folgende Veröffentlichungen:
- Ehrenamt: Kürzungen bei KABE-Mitteln verhindern ↩︎
- Willkommenskultur: Mindeststandardstellen erhalten – Sie sind bereits das mindeste! ↩︎
- LeseWelten: Zahlen und Fakten zu den Kürzungen Stadt Köln 2026 ↩︎


