Suchthilfezentrum am Perlengraben. Die kontroverse Sichtweise der Pro- und Contra-Bürgerinitiativen

Bild in einen Drogenkonsumraum.
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Seit die Stadt Köln Ende Dezember ihr Vorhaben bekannt machte, auf einer Grünfläche am Perlengraben  das von vielen Seiten seit langem geforderte Suchthilfezentrum (SHZ) zu errichten, kommt das Viertel nicht zur Ruhe. Die Petition der eigens gegründeten IG Pantaleonsviertel „Verlange einen neuen Standort für das Suchthilfezentrum am Perlengraben“ erreichte innerhalb weniger Tage tausende von Unterschriften (Stand 11. März: 6951). Aber auch die Unterstützer-Initiative „Südi bleibt solidarisch“ hat mit ihrer Petition „Ja zum geplanten Suchthilfezentrum an der Haltestelle Severinstraße“ bislang immerhin 1766 Unterschriften sammeln können.

Im Sinne eines von uns favorisierten „horizontalen Bürgerdialogs“ haben wir beide Initiativen zum Streitgespräch eingeladen, dem am 3. März 2026 Andreas Zittlau (IG Pantaleonsviertel) und Sebastian Endres (Südi bleibt solidarisch) folgten. Im Folgenden dokumentieren wir das Transskript dieses Gesprächs geringfügig gekürzt und redaktionell bearbeitet. Das Gespräch moderierte Boris Sieverts vom Team „Politische Partizipation“ der Kölner Freiwilligen Agentur.

Im Gespräch wird ein Fragenkatalog erwähnt, den die Initiative „Südi bleibt solidarisch“ an die Stadt Köln gerichtet hat. Inzwischen liegen die Antworten vonseiten der Stadt Köln vor und sind auf der Website der Initiative veröffentlicht.

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Boris Sieverts | KFA: Schön, dass ihr Beide gekommen seid, um über das geplante Suchthilfezentrum zu diskutieren. Vielleicht fange ich am besten mit unserem eigenen Interesse an dem Thema an, das genau genommen ein Doppeltes ist: Zum einen liegt unser KFA-Büro in einer Seitenstraße vom Neumarkt, so dass wir vieles mitbekommen von der offenen Drogenszene. Zum anderen kommt für uns im Bereich Politische Partizipation der KFA noch ein spezifisches Interesse hinzu, nämlich die Frage nach dem Verfahren, mit dem eine Lösung für das Problem und Hilfe für die Suchtbetroffenen gefunden werden soll.
Wenn man sich die aktuelle Debatte genauer ansieht, stellt man ja schnell fest, dass es eigentlich zwei Fragen sind, um die sie sich dreht: das eine ist die Standortfrage, das andere ist die Verfahrensfrage. Und bei der Verfahrensfrage schließt sich noch die Transparenzfrage an.

Zittlau: Ich würde noch die Frage nach dem Konzept hinzufügen. Der Standort ist eine Sache, aber wie es dann tatsächlich umgesetzt wird oder umgesetzt werden kann, das ist ja auch noch eine entscheidende Frage. Es wird immer gesagt, das Thema sei vergleichbar mit der Ansiedlung eines Flüchtlingsheims – deswegen keine Beteiligung der Anwohner im ersten Schritt, weil sonst klar ist, wie die Antworten sind. Aber bei einem Flüchtlingsheim ist relativ klar definiert, was da passiert. Hier weiß keiner richtig, was passiert. Deshalb ist nicht nur die Standortentscheidung entscheidend, sondern auch, was dann da letzten Endes gemacht werden soll.

Endres: So klar ist das bei Flüchtlingsheimen auch nicht, da gibt es ja auch ganz verschiedene Betreiber- und Belegungsmodelle.

Zittlau: Das stimmt, aber es gab in Köln noch nie ein SHZ, das ist nochmal eine andere Nummer.

KFA: Wobei, ich finde ja, man könnte bei Flüchtlingsheimen auch eine Beteiligung machen.

Endres: Im Prinzip schon, aber man kennt ja die Anwohner, die dann alle aufstehen und sagen: Bei uns nicht!

Zittlau: Der Oberbürgermeister hat in der Infoveranstaltung gesagt, das wäre der Hauptgrund gewesen, hier keine frühzeitige informatorische Einbindung anzubieten. Also der erwartbare Widerstand, analog zu den Flüchtlingsunterkünften.

KFA: Aber nochmal: Man könnte ja auch bei Flüchtlingsheimen anders verfahren. Ich weiß z.B. von einer Stadt in Holland, die eine Öffentlichkeitsbeteiligung (ÖB) zur Ansiedlung eines Flüchtlingsheims durchgeführt hat, mit dem Ergebnis, dass am Ende alle das akzeptiert haben. Es hat aber auch Änderungen für das Konzept bedeutet, z.B., dass alle Angebote, die in dem Flüchtlingsheim gemacht werden, für alle sind. Also z.B. die Sprachkurse, die sind jetzt öffentlich. Natürlich bringt Beteiligung immer auch Konflikt mit sich, aber ohne Konflikt gibt es auch kein learning. Und zwar für alle Beteiligten.

Zittlau: So eine Beteiligung wäre in dem vorgegebenen Zeitkorridor gar nicht möglich gewesen, womit sich natürlich die Frage stellt, ob der Zeitkorridor zu knapp gesetzt worden ist. Es wird natürlich mit Lebensbedrohung argumentiert, das stimmt auch, dass das ein wichtiger Punkt ist. Aber wir reden hier über eine Situation, die seit Jahren da ist, und da hätten wir uns schon ein bisschen mehr Zeitpuffer gewünscht für eine Beteiligung.

Endres: Die Situation am Neumarkt besteht zwar seit Jahren, aber sie hat sich in letzter Zeit nochmal zugespitzt.

Zittlau: Das stimmt, die Situation ist dynamisch, aber die Dynamik war absehbar. Das kritisiere ich am Sozialdezernenten, Herrn Rau, dass er teilweise so tut, als wenn das Crackthema ihm erst vor ein paar Monaten serviert worden wäre. Dabei ist das ja seit Jahren präsent.

KFA: Eigentlich wäre es doch super gewesen, wenn die Stadt gesagt hätte: „Bürger der Stadt Köln, hier ist ein Katasterplan von einem Kilometer um den Neumarkt. Warum das nur der Kilometer sein darf, erklären wir Euch – genau wie alle anderen Kriterien. Die städtischen Grundstücke sind farblich markiert. Was fällt Euch dazu ein?“ Dann wäre womöglich ein Hauen und Stechen losgegangen, weil alle gesagt hätten „da und nicht hier“. Aber erstens hätten sich dann vielleicht irgendwann alle angeguckt nach dem Motto „merkste selber“ und zweitens wären vielleicht noch Vorschläge auf den Tisch gekommen, auf die so niemand gekommen ist. Und Drittens hätten sich alle intensiv mit der Thematik befassen müssen, also es hätte auch einen Bildungseffekt gehabt. Last not least wäre die schlussendliche Entscheidung transparent gewesen und dann wäre es für diejenigen, bei denen es gelandet wäre, leichter gewesen, zu sagen, „OK, ist jetzt für uns blöd gelaufen, aber es ist nicht unfair gelaufen und wenigstens haben jetzt die Drogensüchtigen eine menschenwürdige Anlaufstelle.“

Zittlau: Da kann ich überall einen Haken dran machen

Endres: Das würde ich auch genauso unterschreiben. Ich möchte allerdings zu bedenken geben, dass Partizipation wirklich lange dauert. Ich möchte hier gar nicht darüber reden, ob der Zeitdruck gerechtfertigt ist oder nicht, aber was ich halt andersrums schön finde an dieser Geschichte ist, dass die Stadt zeigt, dass sie bereit ist, ein Thema, das den Menschen wichtig ist, prioritär anzupacken und dass es jetzt schnell geht. Das hätte ich von Köln nicht erwartet und das finde ich gut. Ich würde mir auch wünschen, dass es mehr Partizipation gibt. Aber ich möchte jetzt der Stadt auch keine Knüppel zwischen die Beine werfen und sagen „jetzt denkt nochmal alle mit“ und dann dauert das fünf Jahre und es kostet Geld und das sehe ich auch nicht realistisch.

KFA: Du sprachst jetzt von fünf Jahren. Wäre das nicht auch in drei Monaten gegangen?

Endres: Vielleicht

Zittlau: Darf ich einmal kurz fragen, auf welchem Informationsstand ihr jetzt seid? Habt ihr von Südi bleibt solidarisch Antworten auf Eure 30 Fragen bekommen?

Endres: Nein, leider noch nicht, wir haben nur eine Vertröstung bekommen. [Inzwischen sind die Antworten veröffentlicht -> Link ; d. Red.]

Zittlau: OK, dann sind wir jetzt auf unterschiedlichen Informationsständen. Eure Fragen fand ich übrigens super. Ich würde mich freuen, wenn die Stadt diese Fragen zeitnah beantwortet. Leider habt ihr kein Ultimatum gestellt, wie wir das gemacht haben in unserem offenen Brief [https://drive.google.com/uc?export=download&id=1h7rF5Au6dd8-k0KsSrHK_6KLvHijr6bp]. Wobei uns das auch nichts nützt. Das Ultimatum läuft morgen [4. März 2026; d. Red.] aus und wir haben auch noch keine Reaktion.
Deswegen meine Frage. Es wäre ja gut, wenn wir den gleichen Informationsstand hätten, den wir heute nicht haben, das muss man leider so sagen, denn wir haben in der Zwischenzeit über das Informationsfreiheitsgesetzt (IFG) Akteneinsicht gehabt. Da habe ich zwei Nächte nicht geschlafen, weil sich meine meisten Befürchtungen bewahrheitet haben. Ich hoffe, dass Eure Fragen beantwortet werden, weil dann könnten wir, glaube ich, auf einer anderen Grundlage diskutieren. Deswegen ist es wichtig, dass wir alle versuchen, Transparenz reinzubringen.

Endres: Ja, eine echte Transparenz ist wichtig.

Zittlau: Bei unserer Akteneinsicht waren viele Sachen geschwärzt, die nicht geschwärzt sein dürften. Man darf persönliche Dinge natürlich schwärzen und man darf auch Entscheidungsprozesse schwärzen, solange sie noch nicht abgeschlossen sind. Aber da diese Entscheidung ja bereits gefällt wurde, gilt dieser Schutz, nach Aussage unserer Juristen, nicht.

Endres: Was waren denn die interessantesten Erkenntnisse aus der Akteneinsicht?

Zittlau: Also erstens die Frage, warum es nicht mehr der Neumarkt ist, sondern eine weiter entfernte Situation. Dann die Frage, warum im Auswahlprozess Fehler gemacht worden sind: Es gibt in den Akten Auswahlmatritzen mit Pro-Contra-Bewertungen und da stehen einfach falsche Dinge drin. Da steht z.B. drin: „Kein Spielplatz in der Nähe.“ Es gibt aber einen Spielplatz in der Nähe, in der Schnurgasse, der ist offensichtlich vergessen worden. Da sind handwerkliche Fehler gemacht worden, aber ich werfe der Stadt da keine bewusste Täuschung vor, sondern ich denke, dass das durch den Zeitdruck kam.
Was uns besonders stutzig gemacht hat, als wir die Akten studiert haben: Es entsteht der Eindruck, dass es eine Welt bis Mitte Oktober gab und eine Welt danach. In der Zeit zwischen dem 16. und dem 24. Oktober ist etwas passiert. Wir wissen noch nicht was, aber es sind alle Planungen, die es bis dahin gab – unter Einbeziehung zahlreicher Ämter und Dienststellen, mit wöchentlichen Koordinationsmeetings und so weiter, die waren alle sehr engagiert dabei – gestoppt worden. „Das nächste Meeting fällt aus!“ und eine Woche später kommt eine neue Vorgabe.

Endres: Das war, nachdem OB Burmester sein Amt angetreten hat. Der hat das dann ja zur Chefsache erklärt.

Zittlau: Genau, der hat dann den ganzen Prozess umgesteuert. Und dann geht in den Ämtern Panik los, weil es dann plötzlich nur noch um schnell, schnell, schnell geht und in kürzester Zeit sollen dann alternative Standorte in einem neuen Suchraster gefunden werden. Denn das Suchraster, das bis Mitte Oktober benutzt wurde, gilt nicht mehr. Und deshalb glaube ich, dass diese handwerklichen Fehler aufgrund des Zeitdrucks entstanden sind.

KFA: Wurde denn nach dieser Weichenumstellung weiterhin über verschiedene Standorte gesprochen oder dann nur noch über einen?

Zittlau: Dann waren es nur noch drei. Es gab allerdings auch nie die 12 Standorte, die gleichwertig geprüft worden sind.

Endres: Das haben sie aber gesagt, dass sie 10 Standorte geprüft haben.

Zittlau: Ja, aber nicht pro Suchraster. Es gab immer den Haubrichhof und die ehemalige Kaufhofveraltung. Es gab auch noch ein paar andere innerstädtische Flächen in der Diskussion, z.B. das Telekomhochhaus an der Nord-Süd-Fahrt, gegenüber vom Kaufhof-Parkhaus. Da steht unten seit Jahren eine Gewerbefläche leer. Das wurde z.B. als guter Standort gesehen, mit dem Vermerk „bitte noch klären“. Es gab also ein paar innerstädtische Flächen, die betrachtet wurden. Aber als dann im Oktober der Switch kam, mit dem auch die Suchkriterien geändert wurden, waren die alten Flächen gar nicht mehr relevant. Es wurde dann ganz neu gesucht, mit neuen Kriterien. Und dann waren es nur noch drei Flächen, über die geredet wurde, und zwar am Bahndamm in der Moltkestraße, am Aaachener Weiher und eben am Perlengraben. Diese drei waren am Schluss noch im Rennen.

KFA: Und die anderen, also die ehemalige Kaufhofverwaltung und das Telekomhochhaus, die waren dann draußen?

Zittlau: Ja, weil es zu nah an der Innenstadt war.

Endres: Nein, das wird nicht das Kriterium gewesen sein. Das glaube ich erst, wenn ich es schriftlich sehe.

Zittlau: Doch! Das Entscheidende ist, dass es bis Mitte Oktober hieß: 1km fußläufig vom Neumarkt. Und zwar in einem Radius um den Neumarkt. Ab dann hieß es: 1 bis 1,5 km weg vom Neumarkt. Also dann war es kein Radius mehr um den Neumarkt, sondern ein 500 Meter breiter Ring, der in 1 km Entfernung um den Neumarkt lag.

Endres: Wenn das stimmen sollte, dann hätten die uns in der Informationsveranstaltung falsche Informationen gegeben. Da bin ich gespannt, ob sich das bewahrheitet. Im Moment sind das Gerüchte und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das bewahrheitet.
[Wir haben uns in der Zwischenzeit davon überzeugen können, dass die Angaben zutreffend sind. d. Red]

Zittlau: Es wäre gut, wenn ihr das auch mal in Erfahrung bringt, weil das hebt das Ganze für mich auf eine völlig andere Grundlage.

Endres: Was ich mir allerdings vorstellen kann, ist, dass OB Burmester den Prozess umstrukturiert hat, zumal es für ihn ja ein zentrales Vorhaben ist, und weil das alles ja schon ewig geplant wurde, aber keine Ergebnisse gekommen sind. Deshalb wundert es mich auch überhaupt nicht, dass dann alles etwas flotter ging.

Zittlau: Aber die waren auf der Zielgeraden

KFA: Seit wann lief der Prozess denn, der vor Oktober begonnen hatte?

Zittlau: Die Diskussion läuft ja schon seit 2017/18. Im letzten Jahr ist das dann verstärkt vorangetrieben worden. Einen vorläufigen Höhepunkt gab es bei der Veranstaltung in der Kreissparkasse im vergangenen Juni mit dem Kölner Presseclub. Da wurden von Geschäftsleuten auch die ersten Finanzierungszusagen gemacht. Die Reihenfolge, was passieren sollte, war damals bzw. bis Mitte Oktober, eine ganz andere. Es sollte erstmal ein Akutinterim in Neumarktnähe kommen. In der Folge sollten dann drei Suchthilfezentren entstehen: Eines in Neumarktnähe, eines am Hauptbahnhof, eines rechtsrheinisch in Verbindung mit dem Kalker Drogenkonsumraum. Diese Idee, jetzt ein Suchthilfezentrum aus dem Boden zu stampfen, innerhalb von ein paar Monaten, das hat es vor Mitte Oktober nicht gegeben.

Endres: Dies geht wohl auf Herrn Burmester zurück, der sich der Aufgabe angenommen hat.

Zittlau: In den Unterlagen stehen auch Zusagen von Unternehmen und Stiftungen, die sich bereit erklären, bei der Objektsuche zu helfen und ggf. auch Objekte anzumieten oder sogar zu kaufen.

Endres: Diese Unternehmen gibt es und ich bin auch in Kontakt mit einem Unternehmen, das der Stadt schon lange Druck macht. Sie sagen: „Bringt dieses Problem unter Kontrolle, wir sind auch bereit, Gelder zu geben und wenn es direkt neben uns gebaut wird, ist das für uns auch OK.“ Also ja, die sind verzweifelt, aber das immer so darzustellen, als wollten die das nur wegschieben von sich, ist sehr gewagt.

Zittlau: Ich habe immer nur gesagt, dass ich da Klarheit darüber haben will. Wenn es solche Finanzierungszusagen gibt und es dann plötzlich von einem Tag auf den anderen heißt „jetzt wird nicht mehr in Neumarktnähe gesucht, sondern erst ab 1km Entfernung“, dann muss das zumindest geklärt werden.

Endres: Es muss geklärt werden, ja, aber offizielle Aussagen dazu gibt es nicht, und Du warst nicht persönlich bei der Akteneinsicht dabei und von daher ist das jetzt sehr spekulativ.

Zittlau: Ich habe die Akten aber.

Endres: Dann schick sie uns gerne mal

Zittlau: Ich habe die Akten. Alles, worüber ich hier spreche, habe ich schwarz auf weiß.

KFA: Aber dann wäre es doch eine Überlegung wert, die Akten ins Netz zu stellen, oder?

Zittlau: Wir haben die Unterlagen erst seit einer Woche und müssen in Ruhe klären, was wir machen können und dürfen und was nicht. Aber wenn da etwas dran ist, dass aufgrund einer sehr hoch angesetzten politischen Entscheidung beschlossen wurde, dass es vom Neumarkt wegkommt, dann…

Endres: Dann ist das ein Skandal.

Zittlau: … dann ist das die Mutter aller Nimbys. Dann kann man über das, was wir da im Moment machen, immer noch moralisch diskutieren, aber dann haben wir ein anderes Problem. Die Frage ist, ob man das jemals nachweisen kann. Aber ich erwarte zumindest im Umkehrschluss, dass wir transparent eingebunden werden.

KFA: Was wäre denn das „andere Problem“ von dem Du eben sprachst?

Zittlau: Na ja, wenn sich herausstellt, dass in Köln so vorgegangen wird, dass Bürgern eine Erklärung vorgesetzt wird, die gar nicht stimmt.

Endres: Ja, wir wären dann angelogen worden in der Informationsveranstaltung, das kann man schon so sagen.

KFA: Ihr erwähntet vorhin die 30 Fragen, die ihr gestellt habt. Was waren denn diese Fragen?

Endres: Auch wir haben in erster Linie Transparenzfragen gestellt, z.B. welche Standorte schon geprüft wurden, um auch endlich mal die Standortdiskussion zu beenden. Denn eigentlich ist der Standort ja schon geklärt und jetzt immer wieder damit anzufangen, das sehen wir halt nicht. Aber wir sehen auch, dass die Stadt nicht transparent war und wollen auch, dass da Transparenz herrscht.
Dann haben wir auch Fragen nach dem Gesamtkonzept gestellt, weil wir auch Differenzen zum Züricher Konzept sehen. Das Züricher Konzept sieht ja z.B. vor, dass es mehrere Standorte gibt, die im Wechselbetrieb geöffnet haben, und das wird hier erstmal nicht kommen. Es wird im ersten Schritt bei einem Zentrum bleiben und dann wird es vielleicht, falls die Gegenwehr nicht zu groß ist, irgendwann noch ein zweites linksrheinisch geben und den Konsumraum in Kalk. Aber das ist ja schon noch weit entfernt vom Züricher Konzept, auch, weil es in Zürich eine funktionierende Obdachlosenhilfe gibt und dadurch nicht so viele Suchtkranke ohne Obdach sind wie in Köln. Wir wollen wissen, wie das berücksichtigt wird und wie das Kölner Konzept aussehen wird. Mit unserem Fragenkatalog wollen wir die Stadt in die richtige Richtung stupsen. Wir stellen diese Fragen, damit die Stadt versteht, was uns als Anwohnenden wichtig ist, eben weil wir Interesse daran haben, dass das Zentrum funktioniert. Denn natürlich gibt es auch die Gefahr, dass es nicht funktioniert und ein Flop wird. Und deswegen wollen wir mit unseren Fragen schon im Vorfeld dazu beitragen, dass es am Ende funktioniert.

Zittlau: Die Fragen sind super, die sind wirklich gut.

KFA: Wann wäre es denn ein Flop?

Endres: Wenn die Befürchtungen der Anwohner eintreten und das Zentrum nur dazu führt, dass die offene Drogenszene sich vom Neumarkt verlagert in das Wohngebiet. Das wollen wir auch nicht. Wir sehen aber nicht, dass es zwangläufig so kommen muss. Wir verstehen die Bedenken, die viele Anwohner haben, aber wir kommen zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Unsere Folgerung ist: OK, dann müssen wir halt dafür sorgen, dass es funktioniert! Eure Schlussfolgerung ist: OK, dann darf das hier nicht gebaut werden, wenn die Folgen noch offen sind. Darin unterscheiden wir uns. Wir freuen uns, dass das Drogenproblem, das ja jetzt schon ein Problem in unserem Veedel ist, angegangen wird: Bei mir im Hinterhof wird gedealt, da werden regelmäßig Drogen deponiert, dann kommen dubiose Gestalten, die das wieder abholen usw. Auf der Wiese neben dem geplanten Suchthilfezentrum campieren Obdachlose jetzt schon und konsumieren auch genau dort. Gegenüber von dieser geplanten Fläche ist ein illegaler Konsumraum gewesen, von dem übrigens kaum jemand etwas mitbekommen hat. Der ist mittlerweile verrammelt. >ber da haben sich die Leute sowieso schon getroffen, um zu konsumieren. Das Problem ist bereits in unserem Veedel. Und deshalb hoffen wir, dass das jetzt durch das Suchthilfezentrum angegangen werden kann und die Situation für alle besser wird.

KFA: Wie schätzt Du, Andreas, die Chance ein, dass die Situation besser wird?

Zittlau: Ich bin da völlig bei. Ich sage auch nicht: „Es klappt nicht!“ Ich sage, es gibt Gründe, die dafür sprechen, dass es klappt und es gibt Gründe, die dagegen sprechen. Und das sind sehr praktische Argumente. Die haben etwas mit Kölner Finanzproblemen zu tun, aber eben auch mit der nicht perfekten Passung des Standorts, wenn ich es vorsichtig ausdrücken soll. Wenn man sich das Pflichtenheft anschaut, das für die Standortwahl erstellt wurde, dann ist dieser Standort dafür eigentlich nicht geeignet. Es hat auch etwas mit ganz praktischen Problemen zu tun. Wo will die Stadt Köln z.B. das Personal herbekommen? Es gibt nicht viele, die in dem Bereich arbeiten möchten und es gibt eh schon zu wenig Kräfte dafür.

Endres: Da habe ich aber genau das Gegenteil gehört.

KFA: Soweit ich weiß, ist aber doch genau das das Problem am Neumarkt: Dass die nicht rund um die Uhr geöffnet haben können, weil ihnen das Personal fehlt.

Zittlau: Jedenfalls fühlen sich die Anwohner nicht ernst genommen. Und auf so etwas springt die AfD immer drauf, die lebt von solchen Themen. Ich finde die Politik der AfD furchtbar. Als wir am 5. Februar vor dem Rat standen, da kam so´ne Truppe an, die zeckten sich an uns ran, weil der WDR auch da war.

Zittlau: Wir sind jetzt schon bei 30 Mio., habe ich gehört..

Endres: Das habe ich noch nicht gehört, aber es wird jedenfalls teuer.

Zittlau: Es wird jedenfalls so teuer, dass sämtliche angedachten weiteren SHZ erstmal gar nicht finanzierbar sind. Allein aus Kostengründen wird es bei dem einen bleiben. Deshalb muss das auch, wenn es denn kommt, gut funktionieren. Und wenn ich es jetzt mal als Investition der Stadt sehen würde und sage 50/50, es klappt da oder es klappt da nicht, dann würde ich die Mittel dafür nicht freigeben.

Endres: Aber 50/50 ist es ja nicht. Das Konzept ist in anderen Städten ja schon etabliert. Es ist eben kein Experiment. Natürlich muss man es ein bisschen anpassen an Köln. Aber es bleibt der einzige Weg, wie man das Drogenproblem unter Kontrolle bekommt, der bekannt und erprobt ist auf der ganzen Welt. Es gibt kein anderes Konzept. Man braucht Suchthilfezentren und es ist auch ganz klar, dass wir irgendwo hier in der Innenstadt oder den angrenzenden Veedeln eines brauchen.

KFA: Wenn man zu diesem Schluss kommt, dass es zum Konzept Suchthilfezentrum keine Alternative gibt, stellt sich dann überhaupt noch die Kostenfrage?

Zittlau: Doch die stellt sich, denn das Ganze ist nicht ausgereift. Housing first ist ein großes Thema, man muss die Leute auch in menschenwürdige Unterkünfte bringen. Nur die Tatsache, dass sie da Ruheräume haben und duschen können, löst ja das Obdachlosigkeitsproblem nicht. Das ist ein Elefant im Raum, der nicht angegangen wird, weil das natürlich der nächste enorme Kostenfaktor ist. Und es müsste viel stärker in Richtung Substitution gehen, auch um den Handel zu unterbinden.

Endres: Ja, aber wir können nicht zehn Jahre warten, bis sich da vielleicht mal die Gesetze geändert haben. Da kann die Stadt ja nichts dran machen.

Zittlau: Das stimmt. Aber selbst der OB will sich ja schon mit anderen Kommunen zusammenschließen und da einen Vorstoß machen. Worauf ich hinaus will ist: Die ganze Situation ist und bleibt dynamisch. Und deshalb will ich wissen: Was waren die Auswahlkriterien in der Abwägung. Denn wir haben hier ein Wohngebiet, das meiner Meinung nach noch nicht belastet ist von der offenen Drogenszene…

Endres: … außer den Leuten auf der Wiese neben dem geplanten Suchthilfezentrum und dem illegalen Konsumraum gegenüber…

Zittlau: Aber das ist ja noch nicht unser Viertel…

Endres: Und auf der Severinstraße…

Zittlau: Auch nicht unser Viertel. Wir haben im Pantaleonsviertel auf den Straßen kein Problem mit offener Drogenszene. Deshalb ist es ein Experiment, was die Stadt Köln da macht.

Endres: Das Framing gefällt mir nicht. Das ist kein Experiment, sondern ein erprobtes Konzept.

KFA: Vielleicht können wir uns darauf verständigen, dass es einen experimentellen Anteil hat. Niemand kann 100%ig sagen, dass es klappt. Das habt ihr ja beide gesagt. Bei der Informationsveranstaltung haben beide Seiten stark vereinfacht: Die einen haben es so dargestellt, als solle einfach nur die offene Drogenszene vom Neumarkt ins Pantaleonsviertel verlegt werden und die anderen haben gesagt: Nein, darum geht es genau nicht, sondern es soll ja endlich eine Lösung geschaffen werden. Und eben weil es eine Lösung ist, gibt es dann auch kein Problem mehr. Aber es bleibt ja sehr wahrscheinlich eine Restbelastung. Dafür spricht auch die Tatsache, dass zwei andere Standorte zur Entlastung des Viertels geschaffen werden sollen. Und diese Restbelastung wurde bislang noch nicht einmal versucht, zu quantifizieren. Es hat noch niemand gefragt: „Wie geht es denn den Vierteln, wo diese Zentren in Zürich sind? Wie stark oder schwach belastet das die?“

Endres: Das kann man aber rausfinden. In Zürich gibt es sogar Anwohner, die davor mit Klage gedroht hatten und die dann sagten, das hätten wir nicht gedacht, dass es so gut klappt und wir gar nichts davon mitbekommen.

Zittlau: Das könnte man wirklich mal eruieren.

KFA: Ich war auf der Website der Stadt Zürich, habe dazu aber nichts gefunden. Erst wenn diese beiden Dinge klar sind: Wie groß oder klein ist die erwartbare Restbelastung und wie groß oder klein ist die Zuverlässigkeit dieser Prognose?

Endres: Erst dann kann man meiner Meinung nach dafür oder dagegen sein. Denn wenn es 100%ig keine Restbelastung gäbe, bliebe ja nur die Gefahr einer Lageverschlechterung für die Immobilienbewertung. Da würde ich persönlich aber sagen: „So what?“. Wenn es aber doch möglicherweise eine Restbelastung geben könnte, müsste man sich doch erstmal darüber unterhalten: „Wie groß ist die?“ Und dann sagt der Eine halt, „das finde ich akzeptabel“ und der Andere sagt, „das finde ich nicht“. Sollte man da nicht mal viel stärker Informationen sammeln und Aufklärung betreiben?

Zittlau: Wichtiger Punkt, besonders in Verbindung mit den alternativen Standorten. Eine Abwägung zwischen den Standorten kann doch nur auf Grundlage dieser Restbelastung stattfinden. Bei uns gibt es die Schulwege, da kann man sicherlich diskutieren, sind das jetzt zehn Schüler mehr oder weniger…

Endres: Die Frage ist ja wohl eher: Sind es 9000 oder 1000?

Zittlau: … wenn eine Restbelastung da ist in Verbindung mit Schülern und es gibt einen anderen Standort ohne Schüler, wo es andere Themen gibt, dann muss man das meines Erachtens gegeneinander abwägen und das hat nicht stattgefunden, weil die Ausschlusskriterien hart formuliert waren. In den Unterlagen gibt es z.B. eine Rundmail von der Leiterin des Gesundheitsamtes, in der sie ihre städtischen Kolleg:innen bittet, doch nochmal mit zu überlegen, ob es innerstädtisch nicht doch noch ein Areal gibt, an das sie noch nicht gedacht haben. Und dann stand da in Klammern noch dahinter „gerne städtisches Objekt, Anmietung oder Kauf aber kein Hindernis“. Aber in dem Kriterienkatalog stand dann später: „Muss städtisches Objekt sein“.

Endres: Ja, weil die in der Zwischenzeit halt die Erfahrung gemacht haben, dass zumindest Anmietung ein Problem ist. Weil die Besitzer mit dieser Nutzung nicht einverstanden sind.

KFA: Anmietung hätte vielleicht nicht geklappt, aber Ankauf?

Zittlau: Die Zusagen waren ja da, von den finanzstarken Unterstützern. Diese Möglichkeit ist aber trotzdem ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht weiter geprüft worden.

Endres: Die Frage ist ja auch, ob die Stadt das überhaupt hätte annehmen dürfen, wenn jemand eine Immobilie für sie gekauft hätte. Außerdem hatte die Stadt ja geklärt, dass es gar keine Immobilie zu kaufen gab.

Zittlau: Das wäre ja so gelaufen, dass diese Leute eine Immobilie gekauft und der Stadt vermietet hätten. Die hätten der Stadt das Haus natürlich nicht geschenkt. Und natürlich gibt es auch andere Vermieter, die der Stadt etwas vermietet hätten, wenn der Preis stimmt.

Endres: Aber das Budget der Stadt ist sehr begrenzt.

Zittlau: Ja, deswegen nimmt man einen billigen Spielplatz im Pantaleonsviertel, der da ist.

KFA: Sebastian, ich würde gerne nochmal zurück kommen auf Euren Fragenkatalog: Du hattest eben die Themen „Transparenz, Gesamtkonzept, Obdachlosigkeit“ aufgezählt. Wonach habt Ihr noch gefragt?

Zittlau: Der war schon ziemlich vollständig der Fragenkatalog, ihr habt ja sogar nach den Hintergründen der Geldgeber gefragt. Meine spontane Reaktion war: „Oh wow, wenn diese Fragen alle beantwortet werden…“

Endres: Das Personalthema hatten wir auch noch drin, wir sehen ja auch die Probleme. Was Du hervorbringst, also deine Argumente, da sagen wir ja nicht, das ist Quatsch, wir sagen nur, dass es vielleicht nicht so viel Sinn macht, den Planungsprozess aufzuhalten. Aber wir sehen die Punkte und wollen Transparenz schaffen.

KFA: OK, also ihr wollt die Transparenz schaffen, um die Vorbehalte und Gerüchte aus dem Weg zu schaffen…

Endres: Oder, wenn sich dabei herausstellt, dass die Stadt wirklich gepfuscht hat, dann würden wir ja auch sagen, „das machen wir nicht mit. Nicht mit unserem Veedel.“

KFA: Andreas, was wäre denn, wenn sich herausstellt, dass es global betrachtet der beste Standort ist…

Zittlau: Dann würde ich umschalten auf ein begleitendes Eingebundensein mit wachem Auge, in der Hoffnung, dass ich dafür ein Mandat von meinen Mitgliedern habe. Wir sind jetzt noch im Prozess der Transparenzherstellung und der Frage nach dem Warum und dem Wie. Wenn das Suchthilfezentrum tatsächlich kommen sollte, dann ist es eine Frage der Begleitung, kritisch und konstruktiv. Ich denke, darauf müsste es dann hinauslaufen bei der IG.

Endres: Was allerdings ein Novum ist, weil sich die IG gegründet hat, um das Suchthilfezentrum zu verhindern.

Zittlau: Wir sind keine Kommunikationsprofis. Wir haben die IG gegründet, weil wir keine BI sein wollten, sondern eine Institution, die, über dieses Thema hinaus, dem Viertel längerfristig dient. Weil wir bei der Aktion festgestellt haben, dass es im Pantaleonsviertel überhaupt keine Interessengemeinschaft oder sowas gibt. Ende Dezember gab es einen Zeitungsartikel, wo der Besitzer des Sanitätshauses am Neumarkt zitiert wurde, dass ihn der OB einen Tag vor der Verkündung der Standortentscheidung angerufen hätte, um ihm die frohe Kunde mitzuteilen. Da dachte ich im ersten Moment: „Toll! und uns hat keiner angerufen.“ Und dann: „Aber wen hätte der OB auch anrufen können? Bei uns gibt´s ja keinen!“ Und da gab´s ja schon diese Whatsapp-Gruppe und da habe ich gesagt: Liebe Leute, wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen, auch darüber hinaus, dann müssen wir uns organisieren.

Endres: Aber Leute wie wir, die auch im Veedel wohnen, werden sich in Eurer IG niemals zuhause fühlen, weil ihr mit dem Thema angetreten seid, wir müssen dieses Suchthilfezentrum verhindern und das wird sich auch nicht ändern, auch wenn du das jetzt anders darstellst, da würden deine Mitglieder im Dreieck springen. Wir haben gestern mit denen geredet. Die sind alle wuterfüllt und ihre Meinung wird sich nicht mehr ändern. Die wollen dieses Zentrum nicht haben und deshalb werden wir da nie Mitglied sein und auch wenn ihr sagt, dass ihr konstruktiv mit uns zusammenarbeiten wollt, ich glaube euch das nicht..

Zittlau: Ich weiß nicht, mit wem ihr da geredet habt, wir haben ja mittlerweile an die 400 Mitglieder, querbeet.

Endres: Das waren welche vom Vorstand, nicht irgendwelche Mitglieder.

KFA: Ich breche das jetzt mal ab, weil es spekulativ wird und würde stattdessen gerne auf das Thema Öffentlichkeitsbeteiligung zu sprechen kommen. Die Stadt hat den bisherigen Prozess fälschlicherweise als Öffentlichkeitsbeteiligung bezeichnet, obwohl es reine Informationsveranstaltungen waren. Das müsste sie eigentlich klar unterscheiden. Jetzt ist eine Beteiligung angekündigt, die das Kernthema außen vorlässt und stattdessen im Wesentlichen zwei Dinge zum Gegenstand hat: das Sicherheitskonzept und die Gestaltung der Außenfassade. Als ich das las, dachte ich spontan: Das Thema Außenfassade hat doch bislang niemand angesprochen. Ich glaube nicht, dass das jemanden interessiert. Und bei dem anderen Punkt dachte ich: Wenn die Stadt den Anwohnern verspricht, dass es keine Sicherheitsprobleme geben wird, dann ist davon auszugehen, dass sie eine genaue Vorstellung davon hat, wie sie für Sicherheit sorgen will. Und dann stellt sich die Frage: Wofür noch eine Beteiligung? Beteiligungsthemen können ja nur da funktionieren, wo Dinge noch offen sind.

Endres: Ich finde es schon gut, an dem Sicherheitskonzept beteiligt zu werden, weil man, glaube ich, erstmal die Sicherheitsbedürfnisse der Anwohner einsammeln muss. Aber du meintest, dass das Kernthema nicht Teil der Beteiligung ist. Was meintest Du damit?

BS.: Die Standortwahl.

Endres: Für mich ist die Standortwahl nicht das Kernthema, sondern ein funktionierendes Suchthilfekonzept und das Sicherheitskonzept. Den Standort finde ich nicht so wichtig. Es muss halt funktionieren.

Zittlau: Das sehen die Anwohner anders.

Endres: Das sehen alle Anwohner anders, egal, wo es hinkommt.

Zittlau: Aber deshalb bleibt es ja trotzdem aus Anwohnersicht der entscheidende Punkt. Und wenn wir daran schon nicht beteiligt wurden, dann erwarte ich wenigstens im Nachhinein eine vollständige Offenlegung des Prozesses, der zu dieser Entscheidung geführt hat. Man kann nicht zu den Anwohnern sagen: „Ihr habt jetzt den schwarzen Peter, wir erwarten von Euch Kooperation und Unterstützung, damit das auch funktioniert. Aber wir sagen Euch nicht, warum ihr den schwarzen Peter habt.“ Das geht nicht!

Endres: Ja, das geht nicht, das finde ich auch.

KFA: Das war auch mein Gefühl, als ich die Beschlussvorlage las, wo von Alternativlosigkeit die Rede ist. Es ist immer problematisch, wenn derjenige, der etwas vorschlägt, gleichzeitig derjenige ist, der sagt, es sei alternativlos. Und wenn diese Behauptung noch nicht mal begründet wird, dann ist sie nicht nur problematisch, sondern einfach gar nichts wert.

Endres: Ja, genau. Ich habe noch eine Frage zu Deiner Idee der Bürgerbeteiligung zur Standortwahl. Wen würde man denn daran beteiligen? Ganz Köln? Dann würde jemand in Chorweiler natürlich sagen: „Baut es dahin, das ist uns doch egal!“ Oder die direkten Anwohner in der Straße daneben? Die sind alle dagegen. Oder zwei Straßen weiter? Da gibt es dann auch schon andere Stimmen. Wenn man alle Stadtbewohner beteiligen würde, würde es ja automatisch dahin kommen, wo es am wenigsten Anwohner gibt.

KFA: Nach unserem Verständnis heißt Beteiligung ja nicht, dass am Ende Alle abstimmen. Es ist ein beratender Prozess. Dadurch wird die Politik beraten, die Verwaltung wird beraten und die Bürger beraten sich sozusagen gegenseitig. Es hilft der Meinungsbildung. Und mit dieser Beratung im Hinterkopf kann die Verwaltung ihre Vorlage besser überarbeiten und die Politik ist besser in der Lage, diesen Vorschlag kritisch zu beurteilen. Das erhöht insgesamt am Ende die Akzeptanz. Es gibt sozusagen mehr Streit und mehr Akzeptanz.

Zittlau: Wir haben jetzt die Situation, dass Leute sagen: Warum soll das eigentlich zu Euch? Weil die gar nicht wissen, worum es da geht. Deshalb hätte ich es auch gut gefunden, wenn das kölnweit diskutiert worden wäre. Wenn sich unser Veedel dann tatsächlich als der beste Standort herausgestellt hätte, wer hätte sich denn dann noch getraut, zu sagen, das ist falsch hier!

Endres: Na ja, da wird es immer noch genügend geben, die sich dagegen wehren würden.

Zittlau: OK, da gäbe es immer noch welche, aber das ändert nichts daran, dass es transparenter hätte laufen müssen und so, wie es gelaufen ist, glaube ich nicht, dass es nachträglich noch transparent gemacht werden wird. Denn ich glaube nicht, dass Herr Burmester den Switch weg vom Neumarkt erklären kann, wo doch alle immer gesagt haben: „Je näher am Hotspot, desto besser.“ Stattdessen haben wir in den Akten jetzt eine Notiz entdeckt, wo zum Standort Perlengarben notiert ist: „Zu innenstadtnah?“ Wie passt das zusammen?

Endres: Ihr habt aber doch selber schon mal gefragt, warum es eigentlich innerhalb eines 1-km-Radius um den Neumarkt sein muss und nicht auch zwei Kilometer sein können!

Zittlau: Ja, genau, aber hier geht es ja darum, dass die Stadt ihre Argumentation gewechselt hat.

Endres: Ja, OK. Aber wir sind bislang immer davon ausgegangen, dass die Stadt gut gearbeitet hat. Wir haben keine Anhaltspunkte anzunehmen, dass sie nicht gut gearbeitet hat. Wir wundern uns, dass der Standortkatalog nicht offengelegt wird, aber das heißt ja nicht, dass die Stadt nicht alle möglichen Standorte geprüft hat, wie sie es uns gegenüber gesagt hat. Wir gehen davon aus, dass die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht hat und dass der Perlengraben der Standort ist, wo es am wenigsten Nachteile gibt. Unter dieser Prämisse wurde im Stadtrat abgestimmt, dass die Planung weitergeführt werden soll und deshalb ist das Standortthema vom Tisch und wir müssen gucken, wie es weitergeht.

Zittlau: Und wenn da gepfuscht wurde? Seht Euch die Unterlagen an!

Endres: Ich meine, ich bin Euch sehr dankbar, wenn ihr herausfindet, dass es da einen Skandal gibt, aber…

Zittlau: Lass uns mal folgende Situation durchspielen: Wenn das da angefangen wird, bin ich relativ sicher, dass es auf absehbare Zeit keine Betriebsgenehmigung geben wird. Es wird vielleicht gebaut, aber es gibt keine Betriebsgenehmigung, weil es zu viele Angriffspunkte gibt. Dann haben wir eine Blockadesituation.

Endres: Da werdet ihr schon Euren Beitrag zu leisten.

Zittlau: Exakt. Nicht nur wir, sondern besonders Anwohner, die da in Eigentum wohnen. Ich bin nur Mieter, ich kann da wegziehen und habe da keine Aktien drin. Aber es wird jahrelange Rechtsstreite geben, mit einer relativ hohen Gefahr, dass alles stillsteht und dass die Stadt Millionen versenkt, ohne dass etwas passiert. Deshalb glaube ich, dass es total wichtig ist, die Standortentscheidung transparent zu machen.

Endres: Da habe ich ja gar nichts dagegen, ich sage nur, die Debatte ist durch.

Zittlau: Solange kein Baubeschluss da ist, ist die Debatte nicht durch.

Endres: Aber politisch sind sich ja alle einig.

Zittlau: Keines der Ratsmitglieder weiß offensichtlich, was wir jetzt schon wissen.

Endres: Dann frage ich mich, warum ihr Euch nicht hinstellt und sagt: „Wir hatten Akteneinsicht und haben dieses und jenes festgestellt.“

Zittlau: Das kommt ja noch. Wir reden über Dinge, die wir ja selber erst seit ein paar Tagen wissen. Und solange die eigentliche Mittelfreigabe noch nicht stattgefunden hat, kann man natürlich noch „Stopp“ sagen. Dafür ist der Planungszeitraum ja da, dass man feststellen kann, dass man Dinge übersehen hat. Und deshalb finde ich Eure Position auch falsch, dass ihr sagt, „wir sind so oder so für diesen Standort, egal, was im Planungsprozess noch rauskommt.“

Endres: Wir haben uns gegründet, weil wir gesehen haben, dass diese Debatte komplett emotional geführt wird. Die ganze Debatte war eine Schmutzkampagne seitens der IG, da wurde vor allem Angst gemacht. Wir haben gestern mit Anwohnern gesprochen, die sind wirklich verängstigt und das war nicht gespielt, die haben Angst um ihre Kinder und um ihr Leben. Und Eure IG puscht das und versucht, die Angst zu treiben, um das Suchthilfezentrum zu verhindern. Und das gefällt uns nicht. Und was wir jetzt erleben, ist ein Shitstorm von Euch mit nicht konstruktiven Argumenten. Diese Unsachlichkeit und Unfairness regt uns auf. Alle unsere Kommentare auf nebenan.de waren sachlich und zielgerichtet. Andersrum ist das aber nicht der Fall. Deshalb finde ich es auch gut, dass wir uns jetzt gegenüber sitzen und ich dir das sagen kann: „Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft fair miteinander umgehen, wir machen das ja alle ehrenamtlich, wieso sollten wir uns so angreifen wie es aktuell geschieht?“

Zittlau: Das würde ich sofort unterschreiben.

Endres: Ich vermisse bei Euch außerdem eine klare Abgrenzung zur AfD.

Zittlau: Oh, das ist ein ganz heißes Thema. Da möchte ich jetzt doch noch was zu sagen: Wir sind 400 Leute, da sind bestimmt auch welche darunter, die bei der letzten Wahl AfD gewählt haben. Wir haben in unserer IG aber auch einen, der bei der Antifa ist. Das sind alles Leute, die sich zusammengeschlossen haben wegen dieses Themas, das uns vor´s Haus gesetzt wurde. Wir sagen: „Wir sind nicht richtig informiert worden und wir glauben auch, dass der ganze Prozess auf Intrasparenz angelegt ist und auf Schein-Zeitdruck. Das macht uns wütend. Und uns macht wütend, dass die Parteien des demokratischen Spektrums sich da gar nicht drum kümmern.“

Endres: Das stimmt nicht, bei den Grünen kriege ich das mit, da ist das eines der Hauptthemen, die kontrovers und konstruktiv diskutiert werden.

Zittlau: Jedenfalls fühlen sich die Anwohner nicht ernst genommen. Und auf so etwas springt die AfD immer drauf, die lebt von solchen Themen. Ich finde die Politik der AfD furchtbar. Als wir am 5. Februar vor dem Rat standen, da kam so´ne Truppe an, die zeckten sich an uns ran, weil der WDR auch da war.

Endres: Da mache ich Euch auch gar keinen Vorwurf. Aber das, was Du jetzt sagst, kannst Du auch in einer öffentlichen Mitteilung schreiben, das erwarte ich von Euch.

Zittlau: Und was könnte man als SPD, Grüne, CDU machen? Man könnte sagen: „Wir verlangen Transparenz in diesem Verwaltungsvorgang.“ Ich habe mit Ratsmitgliedern gesprochen, die wussten gar nicht, über was sie da abstimmen. Ich fände es schade, wenn die beim Baubeschluss das jetzt einfach so durchwinken würden. Über diesen Punkt solltet ihr – finde ich – auch nochmal nachdenken.

Endres: Ja, das nehme ich mit. Aber dann solltet ihr Euch auch öffentlich abgrenzen von der AfD.

Zittlau: Aber bitte auch fair, weil da gab es neulich einen Beitrag: „Die waren doch bei Eurer Demo dabei.“ Dabei standen die weit weg von uns auf der Brücke mit einem Stand und ich habe noch gesagt, „bitte achtet darauf, dass wir die nicht hier bei uns dabei haben.“
Wir hatten gestern ein Vorstandstreffen, wo wir beschlossen haben, die ganze Polemik rauszunehmen und uns nicht mehr über Begriffe zu streiten – z.B. ob das jetzt „Drogenkonsumzentrum“ oder „Suchthilfezentrum“ und all das genannt wird. Wenn es gut läuft, kommt am Ende etwas bei raus, das den Süchtigen und den Anwohnern hilft.

KFA: Ich fände ja super, wenn es eine Website gäbe, auf der Pro und Contra-Argumente stehen und wo es so etwas wie einen Faktencheck gibt. Bei dieser Infoveranstaltung wurde ja z.B. immer wieder gesagt, dass die Kinder gefährdet wären durch Dealer, die am Wegesrand stehen könnten. Jemand anderes hat dann gesagt, dass er viele Süchtige kennt, aber keinen, der drogenabhängig geworden ist, weil ihn irgendwann mal einer am Straßenrand angesprochen hat: „Hier, probier doch mal.“ Also dass man das mal graderückt.

Zittlau: Aber wer soll den Faktencheck machen?

KFA: Ich kann anbieten, dass wir das machen.

Zittlau und Endres: Das wäre gut.

KFA: Ich danke euch für das Gespräch.

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