Soliman Manfred und Haydeh berichten aus ihren Erfahrungen beim Projekt KöKiPAT – Kölner Kinderpatenschaften

Wenn Soliman aus der Schule kommt, hält ihn kaum etwas auf. Nach sechs Stunden Unterricht möchte der Neunjährige vor allem eins: raus, sich bewegen und Zeit mit seinem Paten Manfred verbringen. Gemeinsam besuchen sie Museen, spielen Volleyball oder machen Ausflüge. Besonders stolz erzählt Soliman von einem gemeinsamen Volleyball-Spiel: „Ich habe Baggern, Pritschen und Schmettern gelernt.“ Manfred lacht: „Für mich war das nach vielen Jahren die perfekte Gelegenheit, selbst wieder Volleyball zu spielen. Da habe ich ja auch etwas von. Das muss ich schon zugeben – mein gesunder Egoismus gehört durchaus zu meiner Motivation.“
Seit Oktober 2024 begleitet Manfred Siemon den heute neunjährigen Soliman im Projekt KöKiPAT. Heute ist aus den regelmäßigen Treffen längst eine vertrauensvolle Beziehung geworden.
Für Solimans Mutter Haydeh Hematian fiel die Entscheidung für eine Patenschaft leicht. Bereits ihre beiden älteren Töchter hatten Patinnen über KöKiPAT. Die erste Patenschaft begann bereits 2018 – und hält bis heute. Erst im Juli war die Familie auf der Hochzeit der ehemaligen Patin eingeladen. „Die Patenschaften haben meinen Kindern unglaublich gutgetan“, erzählt Haydeh. „Es ist so wichtig, dass jedes Kind eine erwachsene Bezugsperson hat, die Zeit nur für dieses eine Kind hat.“
Deshalb wünschte sie sich auch für ihren Sohn eine Patenschaft – diesmal ganz bewusst mit einem Mann. Als alleinerziehende Mutter, die heute eine Ausbildung zur Krankenschwester macht, war ihr wichtig, dass Soliman ein positives männliches Vorbild kennenlernt. „Ich war mir sicher: Wer so etwas ehrenamtlich macht, ist ein guter Mensch und ein gutes Vorbild.“
Dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist, erlebt sie jeden Tag. Immer wieder erzählt Soliman zu Hause: „Manfred sagt das so“ oder „Manfred denkt das anders.“ Für Haydeh ist das ein schönes Zeichen: „Ich sehe, dass Soliman sich an ihm orientiert. Das passt einfach.“
Auch Solimans Freunde wissen inzwischen, wer Manfred ist. Stolz erzählt er ihnen von den gemeinsamen Unternehmungen – und bekommt sogar Glückwünsche zu seinem Paten.
Für Manfred ist die Patenschaft ebenso ein Gewinn. Bereits früher engagierte er sich als Mentor für ältere Geflüchtete sowie als Vormund für unbegleitete, minderjährige Geflüchtete. Die Patenschaft mit Soliman eröffnet ihm nun noch einmal eine ganz neue Perspektive. „Gerade weil ich keine eigenen Kinder habe, ist es eine wunderbare Möglichkeit, eine jüngere Generation kennenzulernen. Meine Welt hat sich vergrößert. Ich lerne Menschen aller Altersstufen kennen.“

Die Patenschaft hat seinen Blick auf das Leben in Deutschland verändert. „Ich sehe heute viel deutlicher, welche Herausforderungen eine alleinerziehende Mutter mit Fluchtgeschichte jeden Tag bewältigen muss. Welche Hürden unsere Bürokratie aufbaut. Das bekommt man sonst gar nicht mit. Ich lerne dadurch auch die Schattenseiten meines eigenen Landes kennen.“
Eigentlich endet eine KöKiPAT-Patenschaft nach einem Jahr. Doch als dieser Zeitpunkt erreicht war, brachte es Manfred nicht übers Herz, Soliman zu verabschieden. Die beiden machten einfach weiter.
Für Haydeh war das eine große Erleichterung. „Ich hatte große Sorge, dass nach einem Jahr Schluss ist. Manfred ist inzwischen nicht nur für Soliman ein Vorbild, sondern auch für meine beiden Töchter. In unserer Familie war Offenheit immer wichtig. Ich wollte, dass Soliman einen modernen Mann erlebt, der respektvoll mit anderen Menschen umgeht.“
Was sie anderen Eltern rät? Ganz klar: „Beantragen Sie eine Patenschaft. Sie kann für ein Kind unglaublich viel bewirken.“
Und Manfred hat eine ebenso einfache Botschaft für Menschen, die überlegen, selbst Patin oder Pate zu werden: „Lassen Sie es einfach auf sich zukommen und überlegen Sie nicht zu lange. Viele fahren weit weg, um andere Kulturen kennenzulernen. Dabei gibt es diese Möglichkeiten direkt vor unserer Haustür. Eine Patenschaft eröffnet neue Welten – für beide Seiten.“
Soliman bringt den Wert seiner Patenschaft schließlich in einem Satz auf den Punkt: „Jedes Kind sollte einen Paten haben.“
Jetzt Patin oder Pate werden
Damit noch viele weitere Kinder diese Erfahrung machen können, sucht die Kölner Freiwilligen Agentur aktuell neue ehrenamtliche Patinnen und Paten. Gesucht werden Menschen, die sich etwa ein Jahr lang regelmäßig Zeit für ein Grundschulkind mit Fluchtgeschichte nehmen möchten – zum Spielen, Vorlesen, Sport machen, Basteln oder für gemeinsame Ausflüge. Die Patenschaften werden individuell vermittelt und während der gesamten Zeit fachlich begleitet. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
„In sechs Wochen, zum Start des neuen Schuljahrs, wollen wir wieder 15 Grundschülerinnen und Grundschüler mit neuen Patinnen und Paten zusammenbringen“, sagt Leon Oerder, Bildungsreferent der Kölner Freiwilligen Agentur. „KöKiPAT ist ideal für Menschen, die sich für Bildungsgerechtigkeit und Integration engagieren möchten, gerne Zeit mit Kindern verbringen und sich dabei eine professionelle Begleitung wünschen.“
Interessierte sind herzlich zu einer unverbindlichen Online-Informationsveranstaltung eingeladen. Anmeldungen sind per E-Mail an mentoren@koeln-freiwillig.de möglich.
KöKiPAT – Kölner Kinder-Patenschaften ist ein Kooperationsprojekt der Kölner Freiwilligen Agentur und des Kölner Flüchtlingsrats. Das Projekt vermittelt seit zehn Jahren Patenschaften für Grundschulkinder mit Fluchthintergrund und wird vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Köln gefördert. Mit der Patenschaft für Soliman wurde nun die 700. Patenschaft vermittelt – und hoffentlich folgen viele weitere.

