Wenn am 24. September 2026 die nach zwei wichtigen Akteuren der deutschen Kolonialverbrechen in Afrika benannten Gravenreuth- und Wißmannstraße in Ehrenfeld feierlich umbenannt werden, endet auch ein erfolgreiches Vorhaben der Öffentlichkeitsbeteiligung in Köln. Vorausgegangen war ein zweistufiger Prozess: Im August 2024 wurden Vorschläge zur Umbenennung der Straßennamen gesammelt. Nachdem die Bezirksvertretung eine Favoritenliste aufgestellt hatte, konnten im Juni 2025 die Bürgerinnen und Bürger dann ihre Meinungen und Kommentare zu den Favoriten einreichen. Auf dieser Grundlage beschloss die Bezirksvertretung am 8. September 2025 schließlich die Umbenennung der beiden Straßen: Die Gravenreuthstraße heißt künftig Cilly-Servé-Straße und die Wißmannstraße wird zur Fasia-Jansen-Straße.
Cilly Servé war Mitglied der Edelweißpiraten und unterstütze u. a. Verfolgte des NS-Regimes. Fasia Jansen überlebte als afro-deutsche Frau die NS-Zeit und war später u. a. eine bekannte politische Liedermacherin.
Hintergrundinformationen zum Beteiligungsprozess sowie die politischen Beschlüsse finden Sie im Meinungsportal der Stadt:
Umbenennungsfeier für Gravenreuth- und Wißmannstraße | Beteiligungsportal der Stadt Köln
Neue Namen für die Gravenreuth- und Wißmannstraße beschlossen! | Beteiligungsportal der Stadt Köln
Manga-Bell-Straße und MANOKA-Denkmal in Nippes
Auch auf ein weitere Straßenumbenenneung steht ganz im Zeichen Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen: Am 25. September wird die Gustav-Nachtigal-Straße im sogenannten Nippeser „Afrika-Viertel“ in „Manga-Bell-Straße“ umbenannt. Diese ist benannt nach Rudolf und Emily Manga Bell, die als Königspaar der Duala friedlichen Widerstand gegen die deutschen Kolonialisten leisteten.
Die Bezirksvertretung Nippes setzte sich in den letzten Jahren auf Grundlage einer Öffentlichkeitsbeteiligung im Jahr 2024 für eine Umbenennung der Gustav-Nachtigal-Straße ein, doch ohne das Bemühen des Initiativkreises Gedenkort Afrikaviertel wäre nicht nur die Umbenennung undenkbar, sondern auch die eine Woche später, am 2. Oktober, bevorstehende Enthüllung der Skulptur „MANOKA“ des kamerunisch-deutschen Künstlers Fabien Diffé Kamga. Diese bezieht sich auf das Gefängnis „Manoka“, in dem Rudolf Manga Bell vor seiner Hinrichtung 1914 von den Deutschen inhaftiert war, und symbolisiert damit die koloniale Unterdrückung.
Weitere Hinweise zur Öffentlichkeitsbeteiligung und Presseberichterstattung:
Öffentlichkeitsbeteiligung zur Gustav-Nachtigal-Straße startet – Stadt Köln
Afrikaveedel: Gustav-Nachtigal-Straße in Nippes wird umbenannt – Rundschau Online
Folgen weitere Umbenennungen?
Weitere Straßenumbenennungen könnten in den kommenden Jahren folgen, seit die Stadt Köln 2021 das Ziel zur Aufarbeitung ihres kolonialen Erbes aufgearbeitet hat, der Historische Beirat weitere Stellungnahmen abgegeben und Öffentlichkeitsbeteiligungen zum Teil bereits erfolgt sind . Aktuell zur Diskussion steht etwa das sog. „Chinesenviertel“ in Ehrenfeld (u. a. die Takustraße und benachbarte Straßen), hier fehlt jedoch noch ein finaler Beschluss der Bezirksvertretung. Viele weitere Straßennamen im gesamten Stadtgebiet gelten zudem als historisch belastet. Ob jedoch alle tatsächlich Gegenstand von Umbenennungen und dazu Öffentlichkeitsbeteiligungen nach dem bisherigen Mustern durchgeführt werden, werden wir fortlaufend beobachten.
Eine Übersicht über den Sachstand zu den bisher überprüften Straßennamen in Köln finden Sie hier: Undemokratische und kritische Straßennamen | Beteiligungsportal der Stadt Köln


