
Newsletter „Eimischen“
Ausgabe 1/2026 | 26. März 2026
Inhalt
Politische Beteiligung fördern!
Klingt gut? Dann mach mit!
Politische Partizipation – unsere
Maßnahmen
Debattieren für Alle – Wie läuft’s?
Öffentlichkeitsbeteiligung aktuell
Olympia in Köln? Infos und
Hintergründe zum Ratsbürgerentscheid
„Hol Olympia in dein Veedel“ –
Hoffnungen und Sorgen von sozial engagierten Vereinen in Köln
Suchthilfezentrum am Perlengraben.
Stand der Dinge und weiterer Prozess
Bauleitplanung: Onlineportal
vereinfacht Stellungnahmen
Kölner Akteure für Engagement und
Beteiligung
Unser Veedel im Wandel – der
Stadtgarten e. V. im Superveedel-Pilotquartier
Überzeugen und Druck aufbauen –
Grannies für ein gutes Leben für Menschen aller Generationen
KLAR! – Journalismus geht auch
anders
Netzwerk 2035 – für die
Klimaneutralität Kölns bis 2035
Suchthilfezentrum am Perlengraben.
Die kontroverse Sichtweise der Pro- und Contra-Bürgerinitiativen
Bürgerengagement und
Bürgerbeteiligung in Köln – Positionen aus dem Kölner Rat
Hinweise – Tipps – Veranstaltungen –
Literatur
US-Demokratie unter Druck!
Gegendruck aus der Zivilgesellschaft!?
Wertvoller Widerstand – oder:
Beteiligung der Andersdenkenden
Aufsuchende Demokratiearbeit – eine
Anregung aus der Praxis
Junge Menschen besser beteiligen –
Publikation des DJI
16. Kölner Marktplatz ‚Gute
Geschäfte‘ am 28.04.2026 – JETZT ANMELDEN
Liebe Beteiligungsinteressierte,
zwei Vorhaben der
Stadt Köln erregen zurzeit in unterschiedlicher Weise die Gemüter: die
Platzierung des Suchthilfezentrums am Perlengraben und der Ratsbürgerentscheid
zur Olympia-Bewerbung. Zu Beidem finden Sie aktuelle Infos. Zur Olympia-Bewerbung
haben wir Pro- und Contra-Argumente zusammengetragen. Zum Suchthilfezentrum
haben wir ein Streitgespräch zwischen der Contra-Initiative (IG Pantaleonsviertel) und der Pro-Initiative (Südi bleibt solidarisch) organisiert, das
wir in Gänze in der Rubrik „Forum“ dokumentieren. Diese kritische wie
konstruktive Auseinandersetzung zwischen den Initiativenvertretern
ist für uns ein gutes Beispiel für einen „horizontalen Bürgerdialog“.
Weiter haben wir die
im Rats-Ausschuss für „Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden“
vertretenen demokratischen Fraktionen nach ihre Perspektiven
hinsichtlich Bürgerbeteiligung, Bürgerengagement und der Systematischen Öffentlichkeitsbeteiligung
befragt. Die Antworten haben wir ebenfalls in der Rubrik „Forum“ dokumentiert.
Darüber hinaus stellen
sich einige Kölner Akteure mit ihren Anliegen vor. Und am Ende finden Sie mehrere
Veranstaltungs- und Literaturhinweise zu Aspekten der politischen Teilhabe.
Wir wünschen Ihnen
Freude und Inspiration bei der Lektüre.
Ihr Redaktionsteam „Einmischen“
P.S. Bitte beachten
Sie auch unseren Aufruf zur engagierten ehrenamtlichen Mitwirkung in unserem Newsletter-Team
oder auch in unseren anderen Aktionsbereichen: „Politische Beteiligung fördern!
Klingt gut? Dann mach mit!“
Du bist politisch
interessiert? Und du möchtest dich für die politische Beteiligung in Köln
einsetzen? Dann bist du bei uns genau richtig! Denn wir fördern politische
Teilhabe in Köln. Und so kannst du dich bei uns engagieren:
Redaktionelle
Mitarbeit beim Newsletter „Einmischen!“: Wir suchen Engagierte, die sich mit (lokal‑)politischen
Themen intensiv auseinandersetzen wollen und…
…Lust haben in einem
Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen für unseren Newsletter „Einmischen!“ zu
recherchieren und ggf. Texte zu schreiben
…und rund 2-3 Stunden
pro Woche Zeit haben
(Du kennst
„Einmischen!“ noch nicht? Dann abonniere den Newsletter hier: https://koeln-freiwillig.de/newsletter/archiv/boeb/)
Demokratiebildung
in der Schule (Projekt „Debattieren probieren“): Wir suchen Engagierte, die an Demokratiebildung
für Alle interessiert sind und…
…gerne mit
Jugendlichen arbeiten (in Haupt-, Real- oder Gesamtschulen)
…und in Absprache mit
den Schulen eine Debattier-AG von 10-15 Schülern leiten wollen.
Bei unserer
aufsuchenden Öffentlichkeitsarbeit: Wir suchen Engagierte, die mit uns…
…auf öffentlichen
(Abend-)Veranstaltungen Menschen über politische Engagementmöglichkeiten
informieren
…und das
lokalpolitische Interesse vor Ort in Stadtvierteln mit geringer politischer
Beteiligung fördern möchten.
Interessiert? Dann
schreibe gerne eine Email an Leon Oerder: leon.oerder@koeln-freiwillig.de
Weitere Informationen
zu unserem Arbeitsbereich „Politische Partizipation“ und dem Büro für
Öffentlichkeitsbeteiligung findest du hier: www.koeln-freiwillig.de/beteiligen
Debattieren können
stellt eine Grundfertigkeit für die aktive Teilnahme an demokratischen
Prozessen dar. Deshalb ist uns im Bereich Politische Partizipation der
Kölner Freiwilligen Agentur die Förderung der Debattenkultur an Kölner
Schulen eine Herzensangelegenheit. Unter dem Titel Debattieren für alle!
bietet die Kölner Freiwilligen Agentur Kölner Schulen an, in ihren Ganztagen
Debattier-AGs einzurichten, angeleitet und betreut von Ehrenamtlerinnen und
Ehrenamtlern, die wir als Kölner Freiwilligen Agentur / Bereich Politische
Partizipation vermitteln. Mit unserem Angebot möchten wir insbesondere
Haupt-, Real- und Gesamtschulen ermöglichen und ermutigen, Debattier-AGs
anzubieten.
Seit diesem
Schulhalbjahr laufen die ersten Debattier-AGs an Kölner Schulen, die von den Ehrenamtler:innen unseres Projekts in´s
Leben gerufen wurden: Fünftklässler:innen an der neu
gegründeten Gesamtschule Kalk und Schüler:innen der
7. Klassen an der Katharina-Henoth-Gesamtschule in
Höhenberg debattieren seitdem einmal in der Woche zu Themen wie: „Sollte jeder
Schultag mit Sportunterricht beginnen?“ „Sollten Kinder und Jugendliche wählen
dürfen?“ „Sollten Kinder im Haushalt helfen müssen?“. Nach einer kurzen
Aufwärm- und Kennenlernphase mit fragenbasierten Bewegungsspielen waren wir
überrascht, wie ausgeprägt das Interesse der 11 bis 14-jährigen am
regelbasierten Debattieren ist.
Aufgrund des mehrfach
geäußerten Wunsches einiger Schulen, ihren Schüler:innen halb- bis mehrtägige Workshopformate (z.B. für Demokratietage oder
Projektwochen) anzubieten, erarbeiten wir derzeit zusätzlich einen „Baukasten“
aus Spielen, Übungen und (Debatten)fragen, aus denen je nach Bedarf ein
maßgeschneidertes Angebot zusammengestellt werden kann.
Debattieren für Alle!
entpuppt sich im Tun als ein Projekt, bei dem wir Ehrenamtler:innen und Organisator:innen
genauso viel lernen wie die Kinder und Jugendlichen an den Schulen. Es ist ein
dauerndes Nachdenken über die Grundlagen eines regelbasierten und zugleich
lebendigen Miteinanders. Das ist anstrengend, macht aber auch sehr viel Spaß
und lässt uns die Welt teilweise mit neuen Augen sehen.
Wenn Sie Interesse haben, eine Debattier-AG anzuleiten oder an Ihrer Schule
eine solche einrichten möchten, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf: boris.sieverts@koeln-freiwillig.de
Tel. 0221-888278-16
Debattieren für Alle!
wird unterstützt durch das Förderprogramm „Hier mit Herz“ der Sparkasse
KölnBonn.
Ab
kommender Woche erhalten
über 800.000 Kölner Bürgerinnen und Bürger die Unterlagen zum Ratsbürgerentscheid
über die Bewerbung für die Olympischen Spiele „KölnRheinRuhr“
für die Jahre 2036, 2040 und 2044. Sollte die Frage, ob sich Köln als „Leading City“ bei der weiteren Kampagne beteiligen soll,
mehrheitlich mit „Ja“ beantwortet werden, würde die Stadt den Bewerbungsprozess
fortsetzen und in Konkurrenz mit München, Berlin und möglicherweise auch
Hamburg (Abstimmung im Mai) um die deutsche Bewerbung beim IOC treten.
Federführend bei der
Kölner Olympia-Kampagne ist das Amt des Oberbürgermeisters unter Torsten
Burmester. Zugleich ist die Stadtverwaltung für die Durchführung der
Abstimmung, die am 19. April abgeschlossen wird, zuständig.
Die Stadt hat eine Webseite
online gestellt, auf der Informationen zu der möglichen Ausrichtung der
Olympischen Spiele in Köln aufgelistet sind. Zudem findet sich dort u. a. die
Aufnahme von der Informationsveranstaltung vom 10. März im Bürgerhaus
Stollwerck. Angesichts der bekannten Position der Stadt, ihrer Argumente und
der öffentlichkeitswirksamen Kampagne für Olympia in Köln sind im Folgenden die
Kampagne(n) der Olympia-Gegner, bisherige Pro-Contra-Auflistungen aus
der aktuellen Berichterstattung, sowie eine Auswahl an Artikeln mit Hintergrundinformationen
und Analysen zu relevanten Themen rund um Olympia aufgelistet.
Alle Hinweise und
Links werden fortlaufend ergänzt:
„NOlympia
Köln“ und Co.:
Pro-Contra-Olympia:
Hier eine Auswahl von
Hintergrundinfos und zusammengefassten Analysen zu relevanten Themen der
Olympischen Spiele der letzten Jahre:
Siehe auch: „Hol Olympia in
dein Veedel“ – Hoffnungen und Sorgen von sozial
engagierten Vereinen in Köln
Bis zum 19. April
haben alle stimmberechtigten Kölnerinnen und Kölner noch die Möglichkeit, über
die Beteiligung der Stadt Köln bei der Verbund-Bewerbung „KölnRheinRuhr“
für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 abzustimmen.
Eine der Slogans der Pro-Olympia-Kampagne der Stadt lautet dieser Tage:
„Hol Olympia in dein Veedel“. Damit erzeugt die
Kampagne nicht nur Bilder von Tausenden Sportlern, Reportern und Touristen, die
für das größte Sportfest der Welt nach Köln strömen würden. Damit verbunden ist
das Versprechen, dass mit Olympia sehr Vieles sehr viel besser laufen würde in
Köln: So verspricht die Kampagne u. a. etwa eine modernisierte
Verkehrsinfrastruktur, schneller abgeschlossene Wohnungsbauprojekte, umfassend
sanierte Sportstätten und die Förderung von Inklusion. Diese Versprechen
erscheinen verheißungsvoll, wo Köln doch in genau diesen Bereichen so viele
Probleme vor sich herschiebt und vieles (wenn überhaupt) mit nur erheblicher
Verzögerung und Kostensteigerungen vorankommt. Olympia soll Köln also einen
Milliardenregen an Förderungen bescheren und durch priorisierte Bauvorhaben
vielerorts Blockaden lösen. (Mit diesen Versprechungen haben sich viele Medien
und politische Akteure in Köln dieser Tage kritisch auseinandergesetzt, mehr
dazu hier.)
Doch was sagen
Akteure, die sich in Köln ehrenamtlich für benachteiligte Menschen engagieren
und keine große öffentliche Bühne haben? Was denken sie über Olympia und wie
könnte Olympia ihr Engagement beeinflussen?
In dem Verein „Grenzenlos in Bewegung“ (GiB) engagieren sich ehemalige und aktive Studierende der
Deutschen Sporthochschule Köln. Ziel des Vereins ist es, über den Sport
Menschen zusammenzubringen und dabei insbesondere Geflüchteten
Anschlussmöglichkeiten anzubieten. Hierfür organisiert GiB
in ganz Köln Sportangebote für Kinder und Jugendliche, darunter auch in Geflüchtetenunterkünften. Der Verein sieht sich aber schon seit
Jahren mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert: Marode, gesperrte oder
überbelegte Sportstätten oder fehlende Sportgeräte führen zu Warteschleifen,
verworfenen Planungen oder abgesagten Kursen. Durch den Sanierungsstau und die
fehlenden Kapazitäten kann GiB also weniger
Sportangebote durchführen, als der Verein gerne anbieten würde.
Aus diesen Gründen
begrüßt der Verein in einer Stellungnahme die
Olympia-Bewerbung. Die durch Olympia in Aussicht gestellten Sanierungen,
Modernisierungen und vergrößerten Sportangebote unterstützt der Verein ausdrücklich.
Doch GiB stellt auch Bedingungen: So fordert der
Verein den Verzicht auf temporäre Olympia-Bauten und eine nachhaltige Nutzung
aller geschaffenen Sportstätten. Zudem warnt der Verein vor einer möglichen
Belastung sozialer Träger, die infolge der kommunalen Belastungen drohen
könnte. Zu dem gesamtgesellschaftlichen Nutzen von Olympia zählt der Verein
aber auch gesellschaftliche Teilhabe „für marginalisierte Gruppen, wie Menschen
mit Fluchterfahrung“. So sollten während der Spiele „angemessene Eintrittspreise
ermöglicht und Programme zur vielfältigen Begegnung geschaffen“ werden. Es
gelte auch, „proaktiv auf Vereine und Initiativen jeglicher
gesellschaftlicher Gruppe zuzugehen“. Unter diesen Vorzeichen sieht
„Grenzenlos in Bewegung“ in den Olympischen und Paralympischen Spielen eine
Chance, den Breitensport und Ehrenamt in den Vordergrund zu rücken und somit
langfristig dem Leitgedanken von „Zusammenhalt, Vielfalt und
,Sport für alle´“ zu verwirklichen.
Einen anderen
Blickwinkel auf Olympia hat der Verein „Obdachlose mit Zukunft“ (OMZ).
Der Verein engagiert sich für obdachlose Menschen, führt Beratungen für
Obdachlose durch, ermöglicht Zugang zu ärztlicher Versorgung und bietet Berufs-
und Weiterbildung für Obdachlose an. Ziel des Vereins ist es dabei nicht nur,
die konkrete Notlage der Menschen zu lindern, sondern auch auf Veränderungen
auf rechtlicher und gesellschaftlicher Ebene hinzuwirken, wie etwa einen
besseren Mieterschutz oder die Ausweitung und Akzeptanz von
Housing-First-Projekten, mit dem langfristigen Ziel, „Obdachlosigkeit
abzuschaffen“, wie es auf der Homepage des Vereins heißt.
Der Vereinsvorsitzende
Kalle Gerigk betrachtet die Bewerbung für Olympia „mit Sorge“. Zum einen
befürchtet er ähnliche Entwicklungen wie in Paris 2024, als viele Tausend
Obdachlose, darunter auch Geflüchtete, aus dem Zentrum der Stadt verdrängt
wurden. Dabei wurden zum Teil „Zeltlager aufgelöst oder Menschen in
kurzfristige Unterkünfte außerhalb der Stadt gebracht, oft ohne langfristige
Perspektive. Viele Betroffene verloren dadurch den Zugang zu bestehenden
Hilfsstrukturen, sozialen Netzwerken und medizinischer Versorgung.“ Diese
Praxis kritisierten Menschenrechtsorganisationen als „soziale Säuberung“. Aus seiner
Sicht, so Gerigk, zeige das Beispiel Paris, „dass Großveranstaltungen wie
Olympische Spiele den Druck auf ohnehin angespannte Wohnungsmärkte verstärken,
dass Probleme wie Wohnungslosigkeit nicht gelöst, sondern lediglich aus dem
Stadtbild verdrängt werden.“
So verschieden auch
die Perspektiven von GiB und OMZ sein mögen, haben
sie eines gemeinsam: Olympia darf benachteiligte Menschen nicht außen vor lassen oder gar verdrängen, sondern muss
gesellschaftlich inklusiv gedacht und geplant werden. Inwieweit diese
Hoffnungen und Erwartungen angesichts möglicher widerstrebender politischer
Ziele berücksichtigt werden, muss im Falle eines Olympia-Zuschlags für KölnRheinRuhr kritisch beäugt werden.
Siehe auch: Olympia in Köln? Infos und Hintergründe zum
Ratsbürgerentscheid
Am 12. Mai 2026 wird – nach jetzigem Kenntnisstand – der Rat
der Stadt Köln über den Standort des geplanten Suchthilfezentrums am
Perlengraben sowie über das hierfür vorgesehene Sicherheitskonzept entscheiden.
Zur
Standortfrage gab es keine Öffentlichkeitsbeteiligung aber eine bis heute
kontroverse öffentliche Debatte. Protagonisten dieser Kontroverse sind die
Contra-Initiative IG Pantaleonsviertel
und die Pro-Intiative Südi bleibt
solidarisch.
Vertreter beider Initiativen haben wir Anfang März zum Streitgespräch
eingeladen, quasi zu einem Format des „horizontalen Bürgerdialogs“, wie wir es zu nennen
pflegen. Das vollständige Gespräch finden Sie hier unter dem Titel „Suchthilfezentrum
am Perlengraben. Die kontroverse Sichtweise der Pro- und
Contra-Bürgerinitiativen“.
Von
beiden Initiativen wurde immer wieder Transparanz
hinsichtlich der geprüften Standortalternativen eingefordert. Dieser Forderung
ist die Stadt Köln inzwischen nachgekommen. Im Kölner Beteiligungsportal meinungfuer.koeln werden unter der Überschrift „Fragen
zum Standort“ alle geprüften Standorte mitsamt der
Gründe zur Auswahl bzw. Ablehnung aufgeführt.
Im
Beteiligungsportal sind auch alle Informationen
zum Hintegrund, zur Planung, zum Verfahren sowie
Antworten auf zahlreiche Fragen zu diesem Vorhaben
zu finden. Dort können Sie schließlich auch weitere Fragen, die bisher noch
nicht gestellt wurden, an die Stadt Köln richten.
Seit dem 1. Dezember
2025 setzt die Verwaltung bei der gesetzlichen Beteiligung zu Bauvorhaben auf
ein modernes, digitales Verfahren. Mit der Plattform Bauleitplanung Online werden Planungsunterlagen,
Karten und Informationen zentral und übersichtlich bereitgestellt. Zum Start
der jeweiligen Beteiligungsphasen werden die Verfahren auf der Plattform
veröffentlicht und stehen während ihrer Beteiligungsfrist online zur Verfügung.
Ganz wichtig:
Stellungnahmen können direkt von der Plattform aus online eingereicht werden!
Auch für die
Verwaltung stellt die neue Plattform eine Vereinfachung dar: Die Eingaben
müssen künftig nicht mehr über die jeweiligen Postfächer der zuständigen Bezirksbürgermeister:innen
gesammelt, sondern können zentral über die Plattform erfasst werden. Sie werden
dann durch das Stadtplanungsamt in Form einer übersichtlichen Tabelle zusammen-
und den mit dem Vorhaben befassten Gremien, allen voran den für die
Öffentlichkeitsbeteiligung zuständigen Bezirksvertretungen, zur Verfügung
gestellt.
Ergänzend dazu werden
die Unterlagen weiterhin im Stadtplanungsamt (Stadthaus Deutz) öffentlich
ausgelegt. Bei Bedarf können Stellungnahmen auch weiterhin schriftlich per Post
oder zur Niederschrift im Stadtplanungsamt abgegeben werden.
Zu hoffen bleibt, dass
durch die vereinfachte digitale Beteiligung die analogen Beteiligungsformate
nicht leiden oder zurückgefahren werden. Es bleibt etwas grundsätzlich Anderes,
ob man z.B. mit anderen gemeinsam in einem Raum sitzt, einen Plan erläutert
bekommt und in eine Saaldiskussion einsteigen oder ihr auch nur beobachtend
folgen kann, oder ob man vor „stummen“ Plänen am Bildschirm sitzt, seine
Kommentare abgibt und keinerlei Vorstellung davon gewinnt, was andere über das
Vorhaben denken. Nützlich wäre deshalb, wenn auf Bauleitplanung Online die
Eingaben der anderen Nutzer (anonymisiert) angezeigt würden. Bebauungspläne
sind für Laien nicht einfach zu lesen und ohne Hinweise durch Dritte entgeht einem
oft das Wichtigste!
Zu Bauleitplanung
Online: https://nw.bauleitplanung-online.de
Weitere nützliche
Onlineportale für Bauvorhaben: https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/planen-bauen/bebauungsplaene/index.html
Zur Presseerklärung
der Stadt Köln: https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/28169/index.
In Barcelona heißen
sie Superblocks, in Berlin Kiezblocks, in Köln Superveedel:
Quartiere, in denen Aufenthaltsqualität, Begrünung und sichere Wege Vorrang vor
dem Durchgangsverkehr erhalten. Seit September 2024 ist das
Stadtgarten-Quartier eines der beiden ersten Superveedel-Pilotprojekte
der Stadt Köln. Der Stadtgarten e. V. ist Teil der Superblocks‑Bewegung,
Mitgründer der Dachverbände „Kölner Superveedel“ und
„Superblocks NRW“ und bundesweit über Changing Cities
e. V. vernetzt.
Vom Nebeneinander
zum Miteinander
Im Januar 2024
gründeten ein Dutzend Anrainer:innen,
die sich zuvor kaum kannten, den Stadtgarten e. V. mit dem Ziel, den
Wandel im Veedel demokratisch, sozial und
klimaresilient mitzugestalten. Heute zählt der Verein über 60 Mitglieder und
verfügt über ein stabiles Netzwerk Ehrenamtlicher. Wöchentliche Mittagstische
in der Christuskirche für Menschen, die sonst alleine essen, die Bepflanzung
von Baumscheiben, Umfragen, wie z.B. nach mehr Anwohner:innen-Parken im Veedel
und Mitmachangebote wie gemeinsames Müllsammeln vertiefen Kontakte und
Strukturen, die im Innenstadtquartier zuvor nur sehr schwach ausgeprägt waren.
Die Kraft für dieses
Engagement entsteht aus der Erfahrung, dass viele Engagierte durch die
Vereinsarbeit selbst von Anwohner:innen
zu Nachbar:innen geworden sind. Der Verein ist also
mehr als nur die Summe seiner Mitglieder.
Klima, Gesundheit
und Beteiligung im Superveedel
Viele Menschen im
Viertel erleben die Entwicklung zum Superveedel als
tiefen Einschnitt; die Verunsicherung reicht teilweise bis hin zu Vandalismus.
Der Stadtgarten e. V. setzt dem bewusst
Gesprächsangebote und Beteiligungsformate entgegen. Die klimaresiliente
Umgestaltung von Bestandsquartieren wird hier als gemeinsame Aufgabe von
Verwaltung und Bewohner:innen
verstanden, die Transparenz, Beteiligung und einen langen Atem erfordert.
Im Fokus steht dabei
die Gesundheit: Weniger Durchgangsverkehr bedeutet weniger Feinstaub, weniger
Lärm und weniger Hitzeinseln – und damit weniger psychische, Herz‑Kreislauf‑
und Atemwegserkrankungen, gerade für vulnerable Gruppen. Mehr Bäume und
entsiegelte Flächen werden als konkrete Gesundheitsvorsorge begriffen.
Empfehlungen des “ greifen dieses Verständnis auf; viele Elemente davon fordert
der Stadtgarten e. V. bereits praktisch ein.
Die Stadt Köln hat den
Klimanotstand ausgerufen, und das Stadtgarten‑Veedel zählt zu den besonders hitzebelasteten Quartieren.
Aus Sicht des Vereins sind deshalb Abkühlung, Entsiegelung und Begrünung
dringlich. Der Stadtgarten e. V. bringt vor allem Kompetenzen in
Kommunikation und Beteiligung „bottom up“ in die laufenden Transformationsprozesse ein. Nach
Auffassung des Vereins fehlt es bisher an sichtbaren Umsetzungsschritten, damit
der Superveedel‑Pilotbeschluss vom 5.9.2024 in
der Quartiersrealität ankommt. Obwohl EU‑Fördermittel in Höhe von 1,5
Mio. Euro bereitstehen, die rund 90 % der Kosten tragen, werden sie von
der Stadt nicht abgerufen.
Ein wichtiger Baustein
aus Sicht des Vereins ist das Anwohner:innen‑Parken.
Erst wenn im Viertel überwiegend Anwohner:innen
parken, können Stellplätze reduziert und Flächen für Begrünung, kühlere
Temperaturen, weniger Feinstaub, weniger Lärm, mehr Sicherheit und Gesundheit
freigegeben werden. Derzeit wird das Veedel stark von
Einpendler:innen zugeparkt;
viele Flächen, einschließlich Gehwegen, sind verstellt. Kinder und andere
vulnerable Gruppen können sich dadurch nur eingeschränkt selbstständig im
Quartier bewegen. Gleichzeitig weist der Verein darauf hin, dass das Parken in
der Tiefgarage am Kaiser‑Wilhelm‑Ring günstiger ist als im
Straßenraum. Initiativen aus der Bewohnerschaft, die sich für Anwohner:innen‑Parken
einsetzen, werden vom Verein unterstützt.
Der Stadtgarten
e. V. arbeitet ehrenamtlich und für alle im Veedel
In autonomen
Arbeitsgruppen organisieren Ehrenamtliche die Bereiche Begrünung,
Kommunikation, Nachbarschaft, Veranstaltungen und Finanzen und bringen
Kompetenzen aus Architektur, Journalismus, Design, IT, Projektmanagement,
Öffentlichkeitsarbeit und Steuerberatung ein. Beim jährlichen Park-Platz-Tag
verwandelt der Verein gemeinsam mit Partnern den großen Parkplatz hinter der
Christuskirche in einen autofreien Experimentierraum: 2025 kamen über 2.000 Besucher:innen zu 25 Ständen und
diskutierten mit Vertreter:innen aus Politik und
Verwaltung. Mit Umfragen sammelt der Verein Rückmeldungen – auch von Menschen,
die sonst selten beteiligt werden.
Weitere Aktivitäten
reichen von einer Wanderbaum‑Demonstration mit Schulkindern über den Bau
einer Boule‑Bahn und die Anlage eines Käferkellers mit Kindern von Amaro Kher (Rom e. V.) bis zur Kartierung der Bäume im
Stadtgarten, die per QR‑Code über die abrufbar sind. Das Symposium
„Stadtgarten for Future“ am Tag des offenen Denkmals
mit Parkführung erreichte über 300 Interessierte. Weniger sichtbar, aber
wirksam sind aufsuchende Nachbarschaftsgespräche gegen Einsamkeit sowie
regelmäßige niedrigschwellige Begegnungsformate, die offen, kostenfrei und
barrierefrei gestaltet sind.
Wirkung, Programme
und Ausblick
Der Verein arbeitet
dialogorientiert, zugleich beharrlich und mit langfristiger Perspektive. Der
Stadtgarten e. V. hat den Rheinstart‑Wettbewerb 2024 und 2025
gewonnen und wurde von Oberbürgermeisterin Henriette Reker
für sein Engagement geehrt. Er ist als eine von zehn Initiativen landesweit in
das Programm „Wir bewegen was!“ des NRW‑Umweltministeriums aufgenommen
worden, als eine von zehn Organisationen bundesweit in den „QualitätsCheck:
Beteiligung & Mitwirkung“ der Stiftung Mitarbeit sowie in das Programm
„Weiter Wirken“ der Stiftung Umwelt & Entwicklung NRW. Zudem ist der
Stadtgarten e. V. Pilotprojekt im Programm „1000 Stühle 1000 Bäume“ des
Hauses der Architektur Köln.
Der Verein ist
zuversichtlich, das Modellprojekt „Nachbarschaft: Ort der Demokratie“ in diesem
Jahr zu starten. Dann entsteht über drei Jahre ein Quartiersplan von unten, mit
einer Veedelmanager:in, Zukunftswerkstätten und
wissenschaftlicher Begleitung voraussichtlich durch das Wuppertal Institut.
2026 eröffnet NRW‑Umweltminister Oliver Krischer den Park-Platz-Tag; der
ehemalige Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach ist eingeladen,
Expertise zu Hitze und Gesundheit einzubringen. Die Erfahrungen werden
dokumentiert und als Blaupause für andere Bestandsquartiere aufbereitet. 2027 feiert
der Stadtgarten e. V. das 200‑jährige Jubiläum des Stadtgarten-Parks mit
einem Jahresprogramm für das gesamte Veedel;
Schirmherr ist Oberbürgermeister Torsten Burmester.
Vielfalt,
Kooperationen und Förderer
Der Stadtgarten
e. V. versteht seine Arbeit als Gemeinschaftsleistung vieler Akteur:innen. Er kooperiert
u. a. mit: Christuskirche, Cowoki, Neues Lernen
e. V., Haus der Architektur Köln, Stadtkontraste, Essbare Stadt, Winzerveedel, Lebeveedel, Veedelsfreiraum, Changing Cities
e. V., Migrafrica e. V., Jama
Nyeta e. V., Rom e. V., Kölner
Flüchtlingsrat, St. Alban, HAK e. V. (Hospiz), VCD e.V., ADFC e. V.,
Kindergärten, Schulen, Ritual Musik, Stadtgarten Konzerthaus, senf.app, Kölner Freiwilligen Agentur, FUSS e. V.,
Agora e. V. u.a.m.
Der Verein hat die
Klimaschutz‑Charta und die Charta der Vielfalt unterzeichnet, ist
Mitglied bei der LAG 21 NRW, im Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit und orientiert
sich an den SDGs 3, 9, 11-13 und 15-17. Gefördert wird die Arbeit u. a.
von: Stiftung Deutsches Hilfswerk/Stiftung Deutsche Fernsehlotterie, Stiftung
Umwelt und Entwicklung NRW, Stiftung Baukultur NRW, Deutsche Stiftung
Denkmalschutz, Stiftung Mitarbeit, Stadt Köln, Sparkasse KölnBonn und Volksbank
Köln Bonn.
Stadtgarten e.V.
Die Grannies for Future in Köln sind eine Gruppe von ca. 30
alten Menschen. Sie haben sich bereits 2019 zusammengefunden, um auf die
Klimakatastrophe aufmerksam zu machen und den Blick auf positive Ansätze von
Klimapolitik und Klimaengagement zu lenken. Bei den Grannies
laufen sowohl Aktionen als auch Entwicklungsarbeit zu bestimmten Themen in
Arbeitsgruppe. Von Anfang an war den Grannies
wichtig, sich solidarisch mit anderen Gruppen zu vernetzen, um den Druck auf
Entscheider zu erhöhen. Die Globalen Klimastreiks der For-Future-Bewegung
sind ihnen trotz abnehmender Teilnehmer*innenzahlen ein wichtiges Anliegen.
Dabei sind sie untereinander in gutem persönlichem Kontakt, wachsen als Gruppe
seit Pandemieende und pflegen ein Umfeld an Freunden durch einen Newsletter,
der inzwischen mehr als 200 Leser*innen erreicht.
Aktuell treibt die
Klimapolitik der Bundesregierung die Grannies um: Mit
Ständen und Transparenten nehmen sie an der bundesweiten Kampagne „Raus
aus der Gaskostenfalle“ teil. Ein weiteres Thema, nämlich die
steigende Wahrscheinlichkeit für Hitze und Starkregen in Köln, adressieren die Grannies auf kommunaler Ebene. Hier vertreten sie die
Position, dass es für eine Kommune nicht genügt, sich punktuell und mit
Verhaltenstipps zu engagieren. Vielmehr gilt es, für Politik und Verwaltung
gemeinsam mit der Zivilgesellschaft, sich flächendeckend und strukturell zum
Schutz insbesondere von alten Menschen, Kindern und chronisch Kranken
konsequent zu aktivieren.
Für Menschen, die sich
für die Grannies interessieren, veranstalten sie
mehrmals im Jahr Kennenlern-Treffen; das Datum wird auf der Website bekannt
gegeben. Eine andere gute Möglichkeit sie kennenzulernen, sind die
klimapolitischen Erkundungen, die in Kooperation mit der Melanchthon Akademie
ca. sechsmal im Jahr stattfinden. Neue Mitstreiter*innen sind immer herzlich
willkommen.
Mit KLAR!
starten wir ein innovatives, partizipatives Projekt im Lokaljournalismus, das
dort ansetzt, wo viele Frust haben und sich von der Demokratie abwenden: in
strukturschwachen Regionen und sogenannten Brennpunkten. Unser Ziel: Räume
schaffen, in denen konstruktive Gespräche möglich sind – zwischen Bürger:innen, Journalist:innen
und kommunaler Verwaltung.
KLAR! steht für: weniger Lärm, mehr Gespräch.
Weniger Polarisierung, mehr Miteinander: Für eine starke und widerstandsfähige
Gemeinschaft.
KLAR! befindet sich in der Konzeptions- und Vorbereitungsphase.Wir sind noch mitten im Aufbau – und
offen für Mitstreiter:innen:
Dafür suchen wir:
Wenn Du glaubst, dass
Demokratie vom Mitmachen lebt und Du ’nen bisschen Zeit investieren kannst und
willst – dann melde Dich gerne bei info@tatjana-mischke.de
Betreff: Klar!
Das „Netzwerk 2035“ wurde im Sommer 2025 gegründet – als
Zusammenschluss aus bürgerschaftlichen Kölner Organisationen aus den Bereichen
Umwelt- Natur, und Klimaschutz sowie Verkehrswende. Im Vorfeld der Kommunalwahl
wurde ein Forderungskatalog an die Politik
erarbeitet.
Herausforderung
klimaneutrales Köln
Unsere
Stadt bringt derzeit zwar Einiges auf den Weg, um Energie-, Verkehrs- und
Klimawende zu gestalten und der Biodiversitätskrise entgegenzuwirken. Dennoch
ist klar: Um das selbstgesetzte Ziel „klimaneutral bis 2035“ zu erreichen oder
den Verlust von Artenvielfalt zu stoppen, ist mehr vonnöten.
Zahlreiche
Vereine, Organisationen und Initiativen sind im Kölner Raum engagiert, um
Stadtpolitik und Stadtgesellschaft die Dringlichkeit konsequenter und
nachhaltiger Maßnahmen vor Augen zu halten und diese mit konkreten
Lösungsvorschlägen voranzubringen.
Wir
sind Viele! Und Vieles wurde erreicht. Und dennoch erleben wir wohl alle, wie
Aktionen oft nur ein temporäres Publikum finden, Stellungnahmen ohne Konsequenz
bleiben oder Proteste ohne Echo in der lokalen Presse.
Hier
möchten wir ansetzen. Mit dem „Netzwerk 2035“ bieten wir eine Plattform, die es
uns erleichtert, Bündnisse anlassbezogen zu bilden, in den Austausch zu gehen,
Wissen zu verbreiten, unsere Energie zu verstärken und bestenfalls Ressourcen
damit zu schonen.
Strategietag
zur Weiterentwicklung des Netzwerks
Vor
diesem Hintergrund haben wir nach der Wahl einen Prozess gestartet, um das
Netzwerk neu, von Grund auf offen und breit aufzustellen, damit wir weiter die
Umsetzung unserer Forderungen voranbringen können.
Dazu
fand am 31. Januar 2026 ein Strategietag statt, um die Zukunft des „Netzwerk
2035“ zu diskutieren. Rund 40 Personen aus 35 Organisationen und Initiativen
folgten dieser Einladung und versammelten sich im Allerweltshaus
in Ehrenfeld.
Ein
wesentlicher Teil des Strategietages bestand in einer Vorstellungsrunde, die
auch dazu dienen sollte, Kooperationsmöglichkeiten untereinander aufzuzeigen.
Diese Möglichkeiten wurden in einer anschließenden Ideenwerkstatt an
verschiedenen Thementischen vertieft, z. B. zu Energie- und Wärmewende,
Naturschutz und Stadtgrün oder Mobilität und Verkehrswende. Zum Ende der
Veranstaltung wurde der Blick auf das Selbstbild und mögliche Leitlinien für
die Zusammenarbeit geworfen. Die abschließende Feedbackrunde brachte viel Lob
hervor und den Wunsch die Bestrebungen weiterzuführen.
Wer an einer Mitwirkung im „Netzwerk 2035“ interessiert ist,
sende eine E-Mail an: netzwerk2035@koelleforfuture.de
Seit die Stadt Köln
Ende Dezember ihr Vorhaben bekannt machte, auf einer Grünfläche am Perlengraben das von vielen Seiten seit langem
geforderte Suchthilfezentrum (SHZ) zu errichten, kommt das Viertel nicht zur
Ruhe. Die Petition der eigens gegründeten IG Pantaleonsviertel
„Verlange einen neuen Standort für das Suchthilfezentrum am Perlengraben“
erreichte innerhalb weniger Tage tausende von Unterschriften (Stand 11. März:
6951). Aber auch die Unterstützer-Initiative „Südi
bleibt solidarisch“ hat mit ihrer Petition „Ja zum geplanten Suchthilfezentrum
an der Haltestelle Severinstraße“ bislang immerhin
1766 Unterschriften sammeln können.
Im Sinne eines von uns
favorisierten „horizontalen Bürgerdialogs“ haben wir beide Initiativen zum
Streitgespräch eingeladen, dem am 3. März 2026 Andreas Zittlau
(IG Pantaleonsviertel) und Sebastian Endres (Südi bleibt solidarisch) folgten. Im Folgenden
dokumentieren wir das Transskript dieses Gesprächs geringfügig gekürzt und
redaktionell bearbeitet. Das Gespräch moderierte Boris Sieverts vom Team
„Politische Partizipation“ der Kölner Freiwilligen Agentur.
Im Gespräch wird ein
Fragenkatalog erwähnt, den die Initiative „Südi
bleibt solidarisch“ an die Stadt Köln gerichtet hat. Inzwischen liegen die
Antworten vonseiten der Stadt Köln vor und sind auf der Website
der Initiative veröffentlicht.
*****
Boris Sieverts | KFA:
Schön, dass ihr Beide gekommen seid, um über das geplante Suchthilfezentrum zu
diskutieren. Vielleicht fange ich am besten mit unserem eigenen Interesse an
dem Thema an, das genau genommen ein Doppeltes ist: Zum einen liegt unser
KFA-Büro in einer Seitenstraße vom Neumarkt, so dass wir vieles mitbekommen von
der offenen Drogenszene. Zum anderen kommt für uns im Bereich Politische
Partizipation der KFA noch ein spezifisches Interesse hinzu, nämlich die Frage
nach dem Verfahren, mit dem eine Lösung für das Problem und Hilfe für die
Suchtbetroffenen gefunden werden soll.
Wenn man sich die aktuelle Debatte genauer ansieht, stellt man ja schnell fest,
dass es eigentlich zwei Fragen sind, um die sie sich dreht: das eine ist die
Standortfrage, das andere ist die Verfahrensfrage. Und bei der Verfahrensfrage
schließt sich noch die Transparenzfrage an.
Zittlau: Ich würde noch die Frage nach dem Konzept
hinzufügen. Der Standort ist eine Sache, aber wie es dann tatsächlich umgesetzt
wird oder umgesetzt werden kann, das ist ja auch noch eine entscheidende Frage.
Es wird immer gesagt, das Thema sei vergleichbar mit der Ansiedlung eines
Flüchtlingsheims – deswegen keine Beteiligung der Anwohner im ersten Schritt,
weil sonst klar ist, wie die Antworten sind. Aber bei einem Flüchtlingsheim ist
relativ klar definiert, was da passiert. Hier weiß keiner richtig, was
passiert. Deshalb ist nicht nur die Standortentscheidung entscheidend, sondern
auch, was dann da letzten Endes gemacht werden soll.
Endres: So klar ist
das bei Flüchtlingsheimen auch nicht, da gibt es ja auch ganz verschiedene
Betreiber- und Belegungsmodelle.
Zittlau: Das stimmt, aber es gab in Köln noch nie ein
SHZ, das ist nochmal eine andere Nummer.
KFA: Wobei, ich finde
ja, man könnte bei Flüchtlingsheimen auch eine Beteiligung machen.
Endres: Im Prinzip
schon, aber man kennt ja die Anwohner, die dann alle aufstehen und sagen: Bei
uns nicht!
Zittlau: Der Oberbürgermeister hat in der
Infoveranstaltung gesagt, das wäre der Hauptgrund gewesen, hier keine
frühzeitige informatorische Einbindung anzubieten. Also der erwartbare
Widerstand, analog zu den Flüchtlingsunterkünften.
KFA: Aber nochmal: Man
könnte ja auch bei Flüchtlingsheimen anders verfahren. Ich weiß z.B. von einer
Stadt in Holland, die eine Öffentlichkeitsbeteiligung (ÖB) zur Ansiedlung eines
Flüchtlingsheims durchgeführt hat, mit dem Ergebnis, dass am Ende alle das
akzeptiert haben. Es hat aber auch Änderungen für das Konzept bedeutet, z.B.,
dass alle Angebote, die in dem Flüchtlingsheim gemacht werden, für alle sind.
Also z.B. die Sprachkurse, die sind jetzt öffentlich. Natürlich bringt
Beteiligung immer auch Konflikt mit sich, aber ohne Konflikt gibt es auch kein learning. Und zwar für alle Beteiligten.
Zittlau: So eine Beteiligung wäre in dem vorgegebenen
Zeitkorridor gar nicht möglich gewesen, womit sich natürlich die Frage stellt,
ob der Zeitkorridor zu knapp gesetzt worden ist. Es wird natürlich mit
Lebensbedrohung argumentiert, das stimmt auch, dass das ein wichtiger Punkt
ist. Aber wir reden hier über eine Situation, die seit Jahren da ist, und da
hätten wir uns schon ein bisschen mehr Zeitpuffer gewünscht für eine
Beteiligung.
Endres: Die Situation
am Neumarkt besteht zwar seit Jahren, aber sie hat sich in letzter Zeit nochmal
zugespitzt.
Zittlau: Das stimmt, die Situation ist dynamisch, aber
die Dynamik war absehbar. Das kritisiere ich am Sozialdezernenten, Herrn Rau,
dass er teilweise so tut, als wenn das Crackthema ihm erst vor ein paar Monaten
serviert worden wäre. Dabei ist das ja seit Jahren präsent.
KFA: Eigentlich wäre
es doch super gewesen, wenn die Stadt gesagt hätte: „Bürger der Stadt Köln,
hier ist ein Katasterplan von einem Kilometer um den Neumarkt. Warum das nur
der Kilometer sein darf, erklären wir Euch – genau wie alle anderen Kriterien.
Die städtischen Grundstücke sind farblich markiert. Was fällt Euch dazu ein?“
Dann wäre womöglich ein Hauen und Stechen losgegangen,
weil alle gesagt hätten „da und nicht hier“. Aber erstens hätten sich dann
vielleicht irgendwann alle angeguckt nach dem Motto „merkste
selber“ und zweitens wären vielleicht noch Vorschläge auf den Tisch
gekommen, auf die so niemand gekommen ist. Und Drittens hätten sich alle
intensiv mit der Thematik befassen müssen, also es hätte auch einen
Bildungseffekt gehabt. Last not least wäre die schlussendliche Entscheidung
transparent gewesen und dann wäre es für diejenigen, bei denen es gelandet
wäre, leichter gewesen, zu sagen, „OK, ist jetzt für uns blöd gelaufen, aber
es ist nicht unfair gelaufen und wenigstens haben jetzt die Drogensüchtigen
eine menschenwürdige Anlaufstelle.“
Zittlau: Da kann ich überall einen Haken dran machen
Endres: Das würde ich
auch genauso unterschreiben. Ich möchte allerdings zu bedenken geben, dass
Partizipation wirklich lange dauert. Ich möchte hier gar nicht darüber reden,
ob der Zeitdruck gerechtfertigt ist oder nicht, aber was ich halt andersrums
schön finde an dieser Geschichte ist, dass die Stadt zeigt, dass sie bereit
ist, ein Thema, das den Menschen wichtig ist, prioritär anzupacken und dass es
jetzt schnell geht. Das hätte ich von Köln nicht erwartet und das finde ich
gut. Ich würde mir auch wünschen, dass es mehr Partizipation gibt. Aber ich
möchte jetzt der Stadt auch keine Knüppel zwischen die Beine werfen und sagen „jetzt
denkt nochmal alle mit“ und dann dauert das fünf Jahre und es kostet Geld
und das sehe ich auch nicht realistisch.
KFA: Du sprachst jetzt
von fünf Jahren. Wäre das nicht auch in drei Monaten gegangen?
Endres: Vielleicht
Zittlau: Darf ich einmal kurz fragen,
auf welchem Informationsstand ihr jetzt seid? Habt ihr von Südi
bleibt solidarisch Antworten auf Eure 30 Fragen bekommen?
Endres: Nein, leider
noch nicht, wir haben nur eine Vertröstung bekommen. [Inzwischen sind die
Antworten veröffentlicht -> Link
; d. Red.]
Zittlau: OK, dann sind wir jetzt auf unterschiedlichen
Informationsständen. Eure Fragen fand ich übrigens super. Ich würde mich
freuen, wenn die Stadt diese Fragen zeitnah beantwortet. Leider habt ihr kein
Ultimatum gestellt, wie wir das gemacht haben in unserem offenen Brief
[https://drive.google.com/uc?export=download&id=1h7rF5Au6dd8-k0KsSrHK_6KLvHijr6bp].
Wobei uns das auch nichts nützt. Das Ultimatum läuft morgen [4. März 2026; d.
Red.] aus und wir haben auch noch keine Reaktion.
Deswegen meine Frage. Es wäre ja gut, wenn wir den gleichen Informationsstand
hätten, den wir heute nicht haben, das muss man leider so sagen, denn wir haben
in der Zwischenzeit über das Informationsfreiheitsgesetzt (IFG) Akteneinsicht
gehabt. Da habe ich zwei Nächte nicht geschlafen, weil sich meine meisten
Befürchtungen bewahrheitet haben. Ich hoffe, dass Eure Fragen beantwortet
werden, weil dann könnten wir, glaube ich, auf einer anderen Grundlage
diskutieren. Deswegen ist es wichtig, dass wir alle versuchen, Transparenz
reinzubringen.
Endres: Ja, eine echte
Transparenz ist wichtig.
Zittlau: Bei unserer Akteneinsicht waren viele Sachen
geschwärzt, die nicht geschwärzt sein dürften. Man darf persönliche Dinge
natürlich schwärzen und man darf auch Entscheidungsprozesse schwärzen, solange
sie noch nicht abgeschlossen sind. Aber da diese Entscheidung ja bereits
gefällt wurde, gilt dieser Schutz, nach Aussage unserer Juristen, nicht.
Endres: Was waren denn
die interessantesten Erkenntnisse aus der Akteneinsicht?
Zittlau: Also erstens die Frage, warum es nicht mehr
der Neumarkt ist, sondern eine weiter entfernte Situation. Dann die Frage,
warum im Auswahlprozess Fehler gemacht worden sind: Es gibt in den Akten Auswahlmatritzen mit Pro-Contra-Bewertungen und da stehen
einfach falsche Dinge drin. Da steht z.B. drin: „Kein Spielplatz in der Nähe.“
Es gibt aber einen Spielplatz in der Nähe, in der Schnurgasse, der ist
offensichtlich vergessen worden. Da sind handwerkliche Fehler gemacht worden,
aber ich werfe der Stadt da keine bewusste Täuschung vor, sondern ich denke,
dass das durch den Zeitdruck kam.
Was uns besonders stutzig gemacht hat, als wir die Akten studiert haben: Es
entsteht der Eindruck, dass es eine Welt bis Mitte Oktober gab und eine Welt
danach. In der Zeit zwischen dem 16. und dem 24. Oktober ist etwas passiert.
Wir wissen noch nicht was, aber es sind alle Planungen, die es bis dahin gab – unter Einbeziehung zahlreicher Ämter und
Dienststellen, mit wöchentlichen Koordinationsmeetings und so weiter, die waren
alle sehr engagiert dabei – gestoppt worden. „Das nächste Meeting fällt
aus!“ und eine Woche später kommt eine neue Vorgabe.
Endres: Das war,
nachdem OB Burmester sein Amt angetreten hat. Der hat das dann ja zur Chefsache
erklärt.
Zittlau: Genau, der hat dann den ganzen Prozess
umgesteuert. Und dann geht in den Ämtern Panik los, weil es dann plötzlich nur
noch um schnell, schnell, schnell geht und in kürzester Zeit sollen dann
alternative Standorte in einem neuen Suchraster gefunden werden. Denn das
Suchraster, das bis Mitte Oktober benutzt wurde, gilt nicht mehr. Und deshalb
glaube ich, dass diese handwerklichen Fehler aufgrund des Zeitdrucks entstanden
sind.
KFA: Wurde denn nach
dieser Weichenumstellung weiterhin über verschiedene Standorte gesprochen oder
dann nur noch über einen?
Zittlau: Dann waren es nur noch drei. Es gab
allerdings auch nie die 12 Standorte, die gleichwertig geprüft worden sind.
Endres: Das haben sie
aber gesagt, dass sie 10 Standorte geprüft haben.
Zittlau: Ja, aber nicht pro Suchraster. Es gab immer
den Haubrichhof und die ehemalige Kaufhofveraltung.
Es gab auch noch ein paar andere innerstädtische Flächen in der Diskussion,
z.B. das Telekomhochhaus an der Nord-Süd-Fahrt, gegenüber vom Kaufhof-Parkhaus.
Da steht unten seit Jahren eine Gewerbefläche leer. Das wurde z.B. als guter
Standort gesehen, mit dem Vermerk „bitte noch klären“. Es gab also ein paar
innerstädtische Flächen, die betrachtet wurden. Aber als dann im Oktober der
Switch kam, mit dem auch die Suchkriterien geändert wurden, waren die alten
Flächen gar nicht mehr relevant. Es wurde dann ganz neu gesucht, mit neuen
Kriterien. Und dann waren es nur noch drei Flächen, über die geredet wurde, und
zwar am Bahndamm in der Moltkestraße, am Aaachener
Weiher und eben am Perlengraben. Diese drei waren am Schluss noch im Rennen.
KFA: Und die anderen,
also die ehemalige Kaufhofverwaltung und das Telekomhochhaus, die waren dann
draußen?
Zittlau: Ja, weil es zu nah an der Innenstadt war.
Endres: Nein, das wird
nicht das Kriterium gewesen sein. Das glaube ich erst, wenn ich es schriftlich
sehe.
Zittlau: Doch! Das Entscheidende ist, dass es bis
Mitte Oktober hieß: 1km fußläufig vom Neumarkt. Und zwar in einem Radius um den
Neumarkt. Ab dann hieß es: 1 bis 1,5 km weg vom Neumarkt. Also dann war es kein
Radius mehr um den Neumarkt, sondern ein 500 Meter breiter Ring, der in 1 km
Entfernung um den Neumarkt lag.
Endres: Wenn das
stimmen sollte, dann hätten die uns in der Informationsveranstaltung falsche
Informationen gegeben. Da bin ich gespannt, ob sich das bewahrheitet. Im Moment
sind das Gerüchte und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das
bewahrheitet.
[Wir haben uns in der Zwischenzeit davon überzeugen können, dass die Angaben
zutreffend sind. d. Red]
Zittlau: Es wäre gut, wenn ihr das auch mal in
Erfahrung bringt, weil das hebt das Ganze für mich auf
eine völlig andere Grundlage.
Endres: Was ich mir
allerdings vorstellen kann, ist, dass OB Burmester den Prozess umstrukturiert
hat, zumal es für ihn ja ein zentrales Vorhaben ist, und weil das alles ja
schon ewig geplant wurde, aber keine Ergebnisse gekommen sind. Deshalb wundert
es mich auch überhaupt nicht, dass dann alles etwas flotter ging.
Zittlau: Aber die waren auf der Zielgeraden
KFA: Seit wann lief
der Prozess denn, der vor Oktober begonnen hatte?
Zittlau: Die Diskussion läuft ja schon seit 2017/18.
Im letzten Jahr ist das dann verstärkt vorangetrieben worden. Einen vorläufigen
Höhepunkt gab es bei der Veranstaltung in der Kreissparkasse im vergangenen
Juni mit dem Kölner Presseclub. Da wurden von Geschäftsleuten auch die ersten
Finanzierungszusagen gemacht. Die Reihenfolge, was passieren sollte, war damals
bzw. bis Mitte Oktober, eine ganz andere. Es sollte erstmal ein Akutinterim in
Neumarktnähe kommen. In der Folge sollten dann drei Suchthilfezentren
entstehen: Eines in Neumarktnähe, eines am Hauptbahnhof, eines rechtsrheinisch
in Verbindung mit dem Kalker Drogenkonsumraum. Diese Idee, jetzt ein
Suchthilfezentrum aus dem Boden zu stampfen, innerhalb von ein paar Monaten,
das hat es vor Mitte Oktober nicht gegeben.
Endres: Dies geht wohl
auf Herrn Burmester zurück, der sich der Aufgabe angenommen hat.
Zittlau: In den Unterlagen stehen auch Zusagen von
Unternehmen und Stiftungen, die sich bereit erklären, bei der Objektsuche zu
helfen und ggf. auch Objekte anzumieten oder sogar zu kaufen.
Endres: Diese
Unternehmen gibt es und ich bin auch in Kontakt mit einem Unternehmen, das der
Stadt schon lange Druck macht. Sie sagen: „Bringt dieses Problem unter
Kontrolle, wir sind auch bereit, Gelder zu geben und wenn es direkt neben uns
gebaut wird, ist das für uns auch OK.“ Also ja, die sind verzweifelt, aber das immer so darzustellen, als wollten die das nur
wegschieben von sich, ist sehr gewagt.
Zittlau: Ich habe immer nur gesagt, dass ich da
Klarheit darüber haben will. Wenn es solche Finanzierungszusagen gibt und es
dann plötzlich von einem Tag auf den anderen heißt „jetzt wird nicht mehr in
Neumarktnähe gesucht, sondern erst ab 1km Entfernung“, dann muss das
zumindest geklärt werden.
Endres: Es muss
geklärt werden, ja, aber offizielle Aussagen dazu gibt es nicht, und Du warst
nicht persönlich bei der Akteneinsicht dabei und von daher ist das jetzt sehr
spekulativ.
Zittlau: Ich habe die Akten aber.
Endres: Dann schick
sie uns gerne mal
Zittlau: Ich habe die Akten. Alles, worüber ich hier
spreche, habe ich schwarz auf weiß.
KFA: Aber dann wäre es
doch eine Überlegung wert, die Akten ins Netz zu stellen, oder?
Zittlau: Wir haben die Unterlagen erst seit einer
Woche und müssen in Ruhe klären, was wir machen können und dürfen und was
nicht. Aber wenn da etwas dran ist, dass aufgrund einer sehr hoch angesetzten
politischen Entscheidung beschlossen wurde, dass es vom Neumarkt wegkommt,
dann…
Endres: Dann ist das
ein Skandal.
Zittlau: … dann ist das die Mutter aller Nimbys. Dann kann man über das, was wir da im Moment
machen, immer noch moralisch diskutieren, aber dann haben wir ein anderes
Problem. Die Frage ist, ob man das jemals nachweisen kann. Aber ich erwarte
zumindest im Umkehrschluss, dass wir transparent eingebunden werden.
KFA: Was wäre denn das
„andere Problem“ von dem Du eben sprachst?
Zittlau: Na ja, wenn sich herausstellt, dass in Köln
so vorgegangen wird, dass Bürgern eine Erklärung vorgesetzt wird, die gar nicht
stimmt.
Endres: Ja, wir wären
dann angelogen worden in der Informationsveranstaltung, das kann man schon so
sagen.
KFA: Ihr erwähntet
vorhin die 30 Fragen, die ihr gestellt habt. Was waren denn diese Fragen?
Endres: Auch wir haben
in erster Linie Transparenzfragen gestellt, z.B. welche Standorte schon geprüft
wurden, um auch endlich mal die Standortdiskussion zu beenden. Denn eigentlich
ist der Standort ja schon geklärt und jetzt immer wieder damit anzufangen, das
sehen wir halt nicht. Aber wir sehen auch, dass die Stadt nicht transparent war
und wollen auch, dass da Transparenz herrscht.
Dann haben wir auch Fragen nach dem Gesamtkonzept gestellt, weil wir auch
Differenzen zum Züricher Konzept sehen. Das Züricher Konzept sieht ja z.B. vor,
dass es mehrere Standorte gibt, die im Wechselbetrieb geöffnet haben, und das
wird hier erstmal nicht kommen. Es wird im ersten Schritt bei einem Zentrum
bleiben und dann wird es vielleicht, falls die Gegenwehr nicht zu groß ist,
irgendwann noch ein zweites linksrheinisch geben und den Konsumraum in Kalk.
Aber das ist ja schon noch weit entfernt vom Züricher Konzept, auch, weil es in
Zürich eine funktionierende Obdachlosenhilfe gibt und dadurch nicht so viele
Suchtkranke ohne Obdach sind wie in Köln. Wir wollen wissen, wie das
berücksichtigt wird und wie das Kölner Konzept aussehen wird. Mit unserem
Fragenkatalog wollen wir die Stadt in die richtige Richtung stupsen. Wir
stellen diese Fragen, damit die Stadt versteht, was uns als Anwohnenden wichtig
ist, eben weil wir Interesse daran haben, dass das Zentrum funktioniert. Denn
natürlich gibt es auch die Gefahr, dass es nicht funktioniert und ein Flop
wird. Und deswegen wollen wir mit unseren Fragen schon im Vorfeld dazu
beitragen, dass es am Ende funktioniert.
Zittlau: Die Fragen sind super, die sind wirklich gut.
KFA: Wann wäre es denn
ein Flop?
Endres: Wenn die
Befürchtungen der Anwohner eintreten und das Zentrum nur dazu führt, dass die
offene Drogenszene sich vom Neumarkt verlagert in das Wohngebiet. Das wollen
wir auch nicht. Wir sehen aber nicht, dass es zwangläufig so kommen muss. Wir
verstehen die Bedenken, die viele Anwohner haben, aber wir kommen zu ganz
anderen Schlussfolgerungen. Unsere Folgerung ist: OK, dann müssen wir halt
dafür sorgen, dass es funktioniert! Eure Schlussfolgerung ist: OK, dann darf
das hier nicht gebaut werden, wenn die Folgen noch offen sind. Darin
unterscheiden wir uns. Wir freuen uns, dass das Drogenproblem, das ja jetzt
schon ein Problem in unserem Veedel ist, angegangen
wird: Bei mir im Hinterhof wird gedealt, da werden regelmäßig Drogen deponiert,
dann kommen dubiose Gestalten, die das wieder abholen usw. Auf der Wiese neben
dem geplanten Suchthilfezentrum campieren Obdachlose jetzt schon und
konsumieren auch genau dort. Gegenüber von dieser geplanten Fläche ist ein
illegaler Konsumraum gewesen, von dem übrigens kaum jemand etwas mitbekommen
hat. Der ist mittlerweile verrammelt. >ber da
haben sich die Leute sowieso schon getroffen, um zu konsumieren. Das Problem
ist bereits in unserem Veedel. Und deshalb hoffen
wir, dass das jetzt durch das Suchthilfezentrum angegangen werden kann und die
Situation für alle besser wird.
KFA: Wie schätzt Du,
Andreas, die Chance ein, dass die Situation besser wird?
Zittlau: Ich bin da völlig bei. Ich sage auch nicht: „Es
klappt nicht!“ Ich sage, es gibt Gründe, die dafür
sprechen, dass es klappt und es gibt Gründe, die dagegen sprechen. Und
das sind sehr praktische Argumente. Die haben etwas mit Kölner Finanzproblemen
zu tun, aber eben auch mit der nicht perfekten Passung des Standorts, wenn ich
es vorsichtig ausdrücken soll. Wenn man sich das Pflichtenheft anschaut, das
für die Standortwahl erstellt wurde, dann ist dieser Standort dafür eigentlich
nicht geeignet. Es hat auch etwas mit ganz praktischen Problemen zu tun. Wo
will die Stadt Köln z.B. das Personal herbekommen? Es gibt nicht viele, die in
dem Bereich arbeiten möchten und es gibt eh schon zu wenig Kräfte dafür.
Endres: Da habe ich
aber genau das Gegenteil gehört.
KFA: Soweit ich weiß,
ist aber doch genau das das Problem am Neumarkt: Dass die nicht rund um die Uhr
geöffnet haben können, weil ihnen das Personal fehlt.
SE: Soweit ich weiß,
ist das am Neumarkt aber ein Finanzierungsproblem. Und die Finanzierung für das
SHZ ist ja eine ganz andere, wenn es Chefsache des OB ist und hier 15 Mio.
locker gemacht werden sollen.
Zittlau: Wir sind jetzt schon bei 30 Mio., habe ich gehört..
Endres: Das habe ich
noch nicht gehört, aber es wird jedenfalls teuer.
Zittlau: Es wird jedenfalls so teuer, dass sämtliche
angedachten weiteren SHZ erstmal gar nicht finanzierbar sind. Allein aus
Kostengründen wird es bei dem einen bleiben. Deshalb muss das auch, wenn es
denn kommt, gut funktionieren. Und wenn ich es jetzt mal als Investition der
Stadt sehen würde und sage 50/50, es klappt da oder es klappt da nicht, dann
würde ich die Mittel dafür nicht freigeben.
Endres: Aber 50/50 ist
es ja nicht. Das Konzept ist in anderen Städten ja schon etabliert. Es ist eben
kein Experiment. Natürlich muss man es ein bisschen anpassen an Köln. Aber es
bleibt der einzige Weg, wie man das Drogenproblem unter Kontrolle bekommt, der
bekannt und erprobt ist auf der ganzen Welt. Es gibt kein anderes Konzept. Man
braucht Suchthilfezentren und es ist auch ganz klar, dass wir irgendwo hier in
der Innenstadt oder den angrenzenden Veedeln eines
brauchen.
KFA: Wenn man zu
diesem Schluss kommt, dass es zum Konzept Suchthilfezentrum keine Alternative
gibt, stellt sich dann überhaupt noch die Kostenfrage?
Zittlau: Doch die stellt sich, denn das Ganze ist
nicht ausgereift. Housing first ist ein großes Thema,
man muss die Leute auch in menschenwürdige Unterkünfte bringen. Nur die
Tatsache, dass sie da Ruheräume haben und duschen können, löst ja das
Obdachlosigkeitsproblem nicht. Das ist ein Elefant im Raum, der nicht
angegangen wird, weil das natürlich der nächste enorme Kostenfaktor ist. Und es
müsste viel stärker in Richtung Substitution gehen, auch um den Handel zu
unterbinden.
Endres: Ja, aber wir
können nicht zehn Jahre warten, bis sich da vielleicht mal die Gesetze geändert
haben. Da kann die Stadt ja nichts dran machen.
Zittlau: Das stimmt. Aber selbst der OB will sich ja
schon mit anderen Kommunen zusammenschließen und da einen Vorstoß machen.
Worauf ich hinaus will ist: Die ganze Situation ist und bleibt dynamisch. Und
deshalb will ich wissen: Was waren die Auswahlkriterien in der Abwägung. Denn
wir haben hier ein Wohngebiet, das meiner Meinung nach noch nicht belastet ist
von der offenen Drogenszene…
Endres: … außer den
Leuten auf der Wiese neben dem geplanten Suchthilfezentrum und dem illegalen
Konsumraum gegenüber…
Zittlau: Aber das ist ja noch nicht unser Viertel…
Endres: Und auf der Severinstraße…
Zittlau: Auch nicht unser Viertel. Wir haben im Pantaleonsviertel auf den Straßen kein Problem mit offener
Drogenszene. Deshalb ist es ein Experiment, was die Stadt Köln da macht.
Endres: Das Framing
gefällt mir nicht. Das ist kein Experiment, sondern ein erprobtes Konzept.
KFA: Vielleicht können
wir uns darauf verständigen, dass es einen experimentellen Anteil hat. Niemand
kann 100%ig sagen, dass es klappt. Das habt ihr ja beide gesagt. Bei der
Informationsveranstaltung haben beide Seiten stark vereinfacht: Die einen haben
es so dargestellt, als solle einfach nur die offene Drogenszene vom Neumarkt
ins Pantaleonsviertel verlegt werden und die anderen
haben gesagt: Nein, darum geht es genau nicht, sondern es soll ja endlich eine
Lösung geschaffen werden. Und eben weil es eine Lösung ist, gibt es dann auch
kein Problem mehr. Aber es bleibt ja sehr wahrscheinlich eine Restbelastung.
Dafür spricht auch die Tatsache, dass zwei andere Standorte zur Entlastung des
Viertels geschaffen werden sollen. Und diese Restbelastung wurde bislang noch
nicht einmal versucht, zu quantifizieren. Es hat noch niemand gefragt: „Wie
geht es denn den Vierteln, wo diese Zentren in Zürich sind? Wie stark oder
schwach belastet das die?“
Endres: Das kann man
aber rausfinden. In Zürich gibt es sogar Anwohner, die davor mit Klage gedroht
hatten und die dann sagten, das hätten wir nicht gedacht, dass es so gut klappt
und wir gar nichts davon mitbekommen.
Zittlau: Das könnte man wirklich mal eruieren.
KFA: Ich war auf der
Website der Stadt Zürich, habe dazu aber nichts gefunden. Erst wenn diese
beiden Dinge klar sind: Wie groß oder klein ist die erwartbare Restbelastung
und wie groß oder klein ist die Zuverlässigkeit dieser Prognose? Erst dann kann
man meiner Meinung nach dafür oder dagegen sein. Denn wenn es 100%ig keine
Restbelastung gäbe, bliebe ja nur die Gefahr einer Lageverschlechterung für die
Immobilienbewertung. Da würde ich persönlich aber sagen: „So what?“. Wenn es aber doch möglicherweise eine
Restbelastung geben könnte, müsste man sich doch erstmal darüber unterhalten: „Wie
groß ist die?“ Und dann sagt der Eine halt, „das
finde ich akzeptabel“ und der Andere sagt, „das finde ich nicht“.
Sollte man da nicht mal viel stärker Informationen sammeln und Aufklärung
betreiben?
Zittlau: Wichtiger Punkt, besonders in Verbindung mit
den alternativen Standorten. Eine Abwägung zwischen den Standorten kann doch
nur auf Grundlage dieser Restbelastung stattfinden. Bei uns gibt es die
Schulwege, da kann man sicherlich diskutieren, sind das jetzt zehn Schüler mehr
oder weniger…
Endres: Die Frage ist
ja wohl eher: Sind es 9000 oder 1000?
Zittlau: … wenn eine
Restbelastung da ist in Verbindung mit Schülern und es gibt einen anderen
Standort ohne Schüler, wo es andere Themen gibt, dann muss man das meines
Erachtens gegeneinander abwägen und das hat nicht stattgefunden, weil die
Ausschlusskriterien hart formuliert waren. In den Unterlagen gibt es z.B. eine
Rundmail von der Leiterin des Gesundheitsamtes, in der sie ihre städtischen Kolleg:innen bittet, doch nochmal
mit zu überlegen, ob es innerstädtisch nicht doch noch ein Areal gibt, an das
sie noch nicht gedacht haben. Und dann stand da in Klammern noch dahinter „gerne
städtisches Objekt, Anmietung oder Kauf aber kein Hindernis“. Aber in dem
Kriterienkatalog stand dann später: „Muss städtisches Objekt sein“.
Endres: Ja, weil die
in der Zwischenzeit halt die Erfahrung gemacht haben, dass zumindest Anmietung
ein Problem ist. Weil die Besitzer mit dieser Nutzung nicht einverstanden sind.
KFA: Anmietung hätte
vielleicht nicht geklappt, aber Ankauf?
Zittlau: Die Zusagen waren ja da, von den
finanzstarken Unterstützern. Diese Möglichkeit ist aber trotzdem ab einem
bestimmten Zeitpunkt nicht weiter geprüft worden.
Endres: Die Frage ist
ja auch, ob die Stadt das überhaupt hätte annehmen dürfen, wenn jemand eine
Immobilie für sie gekauft hätte. Außerdem hatte die Stadt ja geklärt, dass es
gar keine Immobilie zu kaufen gab.
Zittlau: Das wäre ja so gelaufen, dass diese Leute
eine Immobilie gekauft und der Stadt vermietet hätten. Die hätten der Stadt das
Haus natürlich nicht geschenkt. Und natürlich gibt es auch andere Vermieter,
die der Stadt etwas vermietet hätten, wenn der Preis stimmt.
Endres: Aber das
Budget der Stadt ist sehr begrenzt.
Zittlau: Ja, deswegen nimmt man einen billigen
Spielplatz im Pantaleonsviertel, der da ist.
KFA: Sebastian, ich
würde gerne nochmal zurück kommen auf Euren Fragenkatalog: Du hattest eben die
Themen „Transparenz, Gesamtkonzept, Obdachlosigkeit“ aufgezählt. Wonach
habt Ihr noch gefragt?
Zittlau: Der war schon ziemlich vollständig der
Fragenkatalog, ihr habt ja sogar nach den Hintergründen der Geldgeber gefragt.
Meine spontane Reaktion war: „Oh wow, wenn diese Fragen alle beantwortet
werden…“
Endres: Das
Personalthema hatten wir auch noch drin, wir sehen ja auch die Probleme. Was Du
hervorbringst, also deine Argumente, da sagen wir ja nicht, das ist Quatsch,
wir sagen nur, dass es vielleicht nicht so viel Sinn macht, den Planungsprozess
aufzuhalten. Aber wir sehen die Punkte und wollen Transparenz schaffen.
KFA: OK, also ihr
wollt die Transparenz schaffen, um die Vorbehalte und Gerüchte aus dem Weg zu
schaffen…
Endres: Oder, wenn
sich dabei herausstellt, dass die Stadt wirklich gepfuscht hat, dann würden wir
ja auch sagen, „das machen wir nicht mit. Nicht mit unserem Veedel.“
KFA: Andreas, was wäre
denn, wenn sich herausstellt, dass es global betrachtet der beste Standort ist…
Zittlau: Dann würde ich umschalten auf ein
begleitendes Eingebundensein mit wachem Auge, in der
Hoffnung, dass ich dafür ein Mandat von meinen Mitgliedern habe. Wir sind jetzt
noch im Prozess der Transparenzherstellung und der Frage nach dem Warum und dem
Wie. Wenn das Suchthilfezentrum tatsächlich kommen sollte, dann ist es eine
Frage der Begleitung, kritisch und konstruktiv. Ich denke, darauf müsste es
dann hinauslaufen bei der IG.
Endres: Was allerdings
ein Novum ist, weil sich die IG gegründet hat, um das Suchthilfezentrum zu
verhindern.
Zittlau: Wir sind keine Kommunikationsprofis. Wir
haben die IG gegründet, weil wir keine BI sein wollten, sondern eine
Institution, die, über dieses Thema hinaus, dem Viertel längerfristig dient.
Weil wir bei der Aktion festgestellt haben, dass es im Pantaleonsviertel
überhaupt keine Interessengemeinschaft oder sowas gibt. Ende Dezember gab es
einen Zeitungsartikel, wo der Besitzer des Sanitätshauses am Neumarkt zitiert
wurde, dass ihn der OB einen Tag vor der Verkündung der Standortentscheidung
angerufen hätte, um ihm die frohe Kunde mitzuteilen. Da dachte ich im ersten
Moment: „Toll! und uns hat keiner angerufen.“ Und dann: „Aber wen
hätte der OB auch anrufen können? Bei uns gibt´s ja keinen!“ Und da gab´s
ja schon diese Whatsapp-Gruppe und da habe ich
gesagt: Liebe Leute, wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen, auch darüber
hinaus, dann müssen wir uns organisieren.
Endres: Aber Leute wie
wir, die auch im Veedel wohnen, werden sich in Eurer
IG niemals zuhause fühlen, weil ihr mit dem Thema angetreten seid, wir müssen
dieses Suchthilfezentrum verhindern und das wird sich auch nicht ändern, auch
wenn du das jetzt anders darstellst, da würden deine Mitglieder im Dreieck springen.
Wir haben gestern mit denen geredet. Die sind alle wuterfüllt und ihre Meinung
wird sich nicht mehr ändern. Die wollen dieses Zentrum nicht haben und deshalb
werden wir da nie Mitglied sein und auch wenn ihr sagt, dass ihr konstruktiv
mit uns zusammenarbeiten wollt, ich glaube euch das nicht..
Zittlau: Ich weiß nicht, mit wem ihr da geredet habt,
wir haben ja mittlerweile an die 400 Mitglieder, querbeet.
Endres: Das waren
welche vom Vorstand, nicht irgendwelche Mitglieder.
KFA: Ich breche das
jetzt mal ab, weil es spekulativ wird und würde stattdessen gerne auf das Thema
Öffentlichkeitsbeteiligung zu sprechen kommen. Die Stadt hat den bisherigen
Prozess fälschlicherweise als Öffentlichkeitsbeteiligung bezeichnet, obwohl es
reine Informationsveranstaltungen waren. Das müsste sie eigentlich klar
unterscheiden. Jetzt ist eine Beteiligung angekündigt, die das Kernthema außen
vorlässt und stattdessen im Wesentlichen zwei Dinge zum Gegenstand hat: das
Sicherheitskonzept und die Gestaltung der Außenfassade. Als ich das las, dachte
ich spontan: Das Thema Außenfassade hat doch bislang niemand angesprochen. Ich
glaube nicht, dass das jemanden interessiert. Und bei dem anderen Punkt dachte
ich: Wenn die Stadt den Anwohnern verspricht, dass es keine Sicherheitsprobleme
geben wird, dann ist davon auszugehen, dass sie eine genaue Vorstellung davon
hat, wie sie für Sicherheit sorgen will. Und dann stellt sich die Frage: Wofür
noch eine Beteiligung? Beteiligungsthemen können ja nur da funktionieren, wo
Dinge noch offen sind.
Endres: Ich finde es
schon gut, an dem Sicherheitskonzept beteiligt zu werden, weil man, glaube ich,
erstmal die Sicherheitsbedürfnisse der Anwohner einsammeln muss. Aber du
meintest, dass das Kernthema nicht Teil der Beteiligung ist. Was meintest Du damit?
BS.: Die Standortwahl.
Endres: Für mich ist
die Standortwahl nicht das Kernthema, sondern ein funktionierendes
Suchthilfekonzept und das Sicherheitskonzept. Den Standort finde ich nicht so
wichtig. Es muss halt funktionieren.
Zittlau: Das sehen die Anwohner anders.
Endres: Das sehen alle
Anwohner anders, egal, wo es hinkommt.
Zittlau: Aber deshalb bleibt es ja trotzdem aus
Anwohnersicht der entscheidende Punkt. Und wenn wir daran schon nicht beteiligt
wurden, dann erwarte ich wenigstens im Nachhinein eine vollständige Offenlegung
des Prozesses, der zu dieser Entscheidung geführt hat. Man kann nicht zu den
Anwohnern sagen: „Ihr habt jetzt den schwarzen Peter, wir erwarten von Euch
Kooperation und Unterstützung, damit das auch funktioniert. Aber wir sagen Euch
nicht, warum ihr den schwarzen Peter habt.“ Das geht nicht!
Endres: Ja, das geht
nicht, das finde ich auch.
KFA: Das war auch mein
Gefühl, als ich die Beschlussvorlage las, wo von Alternativlosigkeit die Rede
ist. Es ist immer problematisch, wenn derjenige, der etwas vorschlägt,
gleichzeitig derjenige ist, der sagt, es sei alternativlos. Und wenn diese
Behauptung noch nicht mal begründet wird, dann ist sie nicht nur problematisch,
sondern einfach gar nichts wert.
Endres: Ja, genau. Ich
habe noch eine Frage zu Deiner Idee der Bürgerbeteiligung zur Standortwahl. Wen
würde man denn daran beteiligen? Ganz Köln? Dann würde jemand in Chorweiler
natürlich sagen: „Baut es dahin, das ist uns doch egal!“ Oder die
direkten Anwohner in der Straße daneben? Die sind alle dagegen. Oder zwei
Straßen weiter? Da gibt es dann auch schon andere Stimmen. Wenn man alle
Stadtbewohner beteiligen würde, würde es ja automatisch dahin kommen, wo es am
wenigsten Anwohner gibt.
KFA: Nach unserem
Verständnis heißt Beteiligung ja nicht, dass am Ende Alle abstimmen. Es ist ein
beratender Prozess. Dadurch wird die Politik beraten, die Verwaltung wird
beraten und die Bürger beraten sich sozusagen gegenseitig. Es hilft der
Meinungsbildung. Und mit dieser Beratung im Hinterkopf kann die Verwaltung ihre
Vorlage besser überarbeiten und die Politik ist besser in der Lage, diesen
Vorschlag kritisch zu beurteilen. Das erhöht insgesamt am Ende die Akzeptanz.
Es gibt sozusagen mehr Streit und mehr Akzeptanz.
Zittlau: Wir haben jetzt die Situation, dass Leute
sagen: Warum soll das eigentlich zu Euch? Weil die gar nicht wissen, worum es
da geht. Deshalb hätte ich es auch gut gefunden, wenn das kölnweit
diskutiert worden wäre. Wenn sich unser Veedel dann
tatsächlich als der beste Standort herausgestellt hätte, wer hätte sich denn
dann noch getraut, zu sagen, das ist falsch hier!
Endres: Na ja, da wird
es immer noch genügend geben, die sich dagegen wehren würden.
Zittlau: OK, da gäbe es immer noch welche, aber das
ändert nichts daran, dass es transparenter hätte laufen müssen und so, wie es
gelaufen ist, glaube ich nicht, dass es nachträglich noch transparent gemacht
werden wird. Denn ich glaube nicht, dass Herr Burmester den Switch weg vom
Neumarkt erklären kann, wo doch alle immer gesagt haben: „Je näher am
Hotspot, desto besser.“ Stattdessen haben wir in den Akten jetzt eine Notiz
entdeckt, wo zum Standort Perlengarben notiert ist: „Zu innenstadtnah?“
Wie passt das zusammen?
Endres: Ihr habt aber
doch selber schon mal gefragt, warum es eigentlich innerhalb eines 1-km-Radius
um den Neumarkt sein muss und nicht auch zwei Kilometer sein können!
Zittlau: Ja, genau, aber hier geht es ja darum, dass
die Stadt ihre Argumentation gewechselt hat.
Endres: Ja, OK. Aber
wir sind bislang immer davon ausgegangen, dass die Stadt gut gearbeitet hat.
Wir haben keine Anhaltspunkte anzunehmen, dass sie nicht gut gearbeitet hat.
Wir wundern uns, dass der Standortkatalog nicht offengelegt wird, aber das
heißt ja nicht, dass die Stadt nicht alle möglichen Standorte geprüft hat, wie
sie es uns gegenüber gesagt hat. Wir gehen davon aus, dass die Stadt ihre
Hausaufgaben gemacht hat und dass der Perlengraben der Standort ist, wo es am
wenigsten Nachteile gibt. Unter dieser Prämisse wurde im Stadtrat abgestimmt,
dass die Planung weitergeführt werden soll und deshalb ist das Standortthema
vom Tisch und wir müssen gucken, wie es weitergeht.
Zittlau: Und wenn da gepfuscht wurde? Seht Euch die
Unterlagen an!
Endres: Ich meine, ich
bin Euch sehr dankbar, wenn ihr herausfindet, dass es da einen Skandal gibt,
aber…
Zittlau: Lass uns mal folgende Situation durchspielen:
Wenn das da angefangen wird, bin ich relativ sicher, dass es auf absehbare Zeit
keine Betriebsgenehmigung geben wird. Es wird vielleicht gebaut, aber es gibt
keine Betriebsgenehmigung, weil es zu viele Angriffspunkte gibt. Dann haben wir
eine Blockadesituation.
Endres: Da werdet ihr
schon Euren Beitrag zu leisten.
Zittlau: Exakt. Nicht nur wir, sondern besonders
Anwohner, die da in Eigentum wohnen. Ich bin nur Mieter, ich kann da wegziehen
und habe da keine Aktien drin. Aber es wird jahrelange Rechtsstreite geben, mit
einer relativ hohen Gefahr, dass alles stillsteht und dass die Stadt Millionen
versenkt, ohne dass etwas passiert. Deshalb glaube ich, dass es total wichtig
ist, die Standortentscheidung transparent zu machen.
Endres: Da habe ich ja
gar nichts dagegen, ich sage nur, die Debatte ist durch.
Zittlau: Solange kein Baubeschluss da ist, ist die
Debatte nicht durch.
Endres: Aber politisch
sind sich ja alle einig.
Zittlau: Keines der Ratsmitglieder weiß
offensichtlich, was wir jetzt schon wissen.
Endres: Dann frage ich
mich, warum ihr Euch nicht hinstellt und sagt: „Wir hatten Akteneinsicht und
haben dieses und jenes festgestellt.“
Zittlau: Das kommt ja noch. Wir reden über Dinge, die
wir ja selber erst seit ein paar Tagen wissen. Und solange die eigentliche
Mittelfreigabe noch nicht stattgefunden hat, kann man natürlich noch „Stopp“
sagen. Dafür ist der Planungszeitraum ja da, dass man feststellen kann, dass
man Dinge übersehen hat. Und deshalb finde ich Eure Position auch falsch, dass
ihr sagt, „wir sind so oder so für diesen Standort, egal, was im
Planungsprozess noch rauskommt.“
Endres: Wir haben uns
gegründet, weil wir gesehen haben, dass diese Debatte komplett emotional
geführt wird. Die ganze Debatte war eine Schmutzkampagne seitens der IG, da
wurde vor allem Angst gemacht. Wir haben gestern mit Anwohnern gesprochen, die
sind wirklich verängstigt und das war nicht gespielt, die haben Angst um ihre
Kinder und um ihr Leben. Und Eure IG puscht das und versucht, die Angst zu
treiben, um das Suchthilfezentrum zu verhindern. Und das gefällt uns nicht. Und
was wir jetzt erleben, ist ein Shitstorm von Euch mit nicht konstruktiven
Argumenten. Diese Unsachlichkeit und Unfairness regt
uns auf. Alle unsere Kommentare auf nebenan.de waren sachlich und
zielgerichtet. Andersrum ist das aber nicht der Fall. Deshalb finde ich es auch
gut, dass wir uns jetzt gegenüber sitzen und ich dir
das sagen kann: „Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft fair miteinander
umgehen, wir machen das ja alle ehrenamtlich, wieso sollten wir uns so
angreifen wie es aktuell geschieht?“
Zittlau: Das würde ich sofort unterschreiben.
Endres: Ich vermisse
bei Euch außerdem eine klare Abgrenzung zur AfD.
Zittlau: Oh, das ist ein ganz heißes Thema. Da möchte
ich jetzt doch noch was zu sagen: Wir sind 400 Leute, da sind bestimmt auch
welche darunter, die bei der letzten Wahl AfD gewählt haben. Wir haben in
unserer IG aber auch einen, der bei der Antifa ist. Das sind alles Leute, die
sich zusammengeschlossen haben wegen dieses Themas, das uns vor´s
Haus gesetzt wurde. Wir sagen: „Wir sind nicht richtig informiert worden und
wir glauben auch, dass der ganze Prozess auf Intrasparenz
angelegt ist und auf Schein-Zeitdruck. Das macht uns wütend. Und uns macht
wütend, dass die Parteien des demokratischen Spektrums sich da gar nicht drum
kümmern.“
Endres: Das stimmt
nicht, bei den Grünen kriege ich das mit, da ist das eines der Hauptthemen, die
kontrovers und konstruktiv diskutiert werden.
Zittlau: Jedenfalls fühlen sich die Anwohner nicht
ernst genommen. Und auf so etwas springt die AfD immer drauf, die lebt von
solchen Themen. Ich finde die Politik der AfD furchtbar. Als wir am 5. Februar
vor dem Rat standen, da kam so´ne Truppe an, die
stellten sich zu uns, weil der WDR auch da war.
Endres: Da mache ich
Euch auch gar keinen Vorwurf. Aber das, was Du jetzt sagst, kannst Du auch in
einer öffentlichen Mitteilung schreiben, das erwarte ich von Euch.
Zittlau: Und was könnte man als SPD, Grüne, CDU
machen? Man könnte sagen: „Wir verlangen Transparenz in diesem
Verwaltungsvorgang.“ Ich habe mit Ratsmitgliedern gesprochen, die wussten
gar nicht, über was sie da abstimmen. Ich fände es schade, wenn die beim
Baubeschluss das jetzt einfach so durchwinken würden. Über diesen Punkt solltet
ihr – finde ich – auch nochmal nachdenken.
Endres: Ja, das nehme
ich mit. Aber dann solltet ihr Euch auch öffentlich abgrenzen von der AfD.
Zittlau: Aber bitte auch fair, weil da gab es neulich
einen Beitrag: „Die waren doch bei Eurer Demo dabei.“ Dabei standen die
weit weg von uns auf der Brücke mit einem Stand und ich habe noch gesagt, „bitte
achtet darauf, dass wir die nicht hier bei uns dabei haben.“
Wir hatten gestern ein Vorstandstreffen, wo wir beschlossen haben, die ganze
Polemik rauszunehmen und uns nicht mehr über Begriffe zu streiten – z.B. ob das
jetzt „Drogenkonsumzentrum“ oder „Suchthilfezentrum“ und all das
genannt wird. Wenn es gut läuft, kommt am Ende etwas bei raus, das den
Süchtigen und den Anwohnern hilft.
KFA: Ich fände ja
super, wenn es eine Website gäbe, auf der Pro und Contra-Argumente stehen und
wo es so etwas wie einen Faktencheck gibt. Bei dieser Infoveranstaltung wurde
ja z.B. immer wieder gesagt, dass die Kinder gefährdet wären durch Dealer, die
am Wegesrand stehen könnten. Jemand anderes hat dann gesagt, dass er viele
Süchtige kennt, aber keinen, der drogenabhängig geworden ist, weil ihn
irgendwann mal einer am Straßenrand angesprochen hat: „Hier, probier doch mal.“ Also dass man das mal graderückt.
Zittlau: Aber wer soll den Faktencheck machen?
KFA: Ich kann
anbieten, dass wir das machen.
Zittlau und Endres: Das wäre gut.
KFA: Ich danke euch
für das Gespräch.
Der Ausschuss
für „Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden“ des Rates
der Stadt Köln ist nun in der zweiten Ratsperiode in folgenden Angelegenheiten
vorberatend tätig:
1. Grundsatzfragen der
Beteiligungskultur in Köln,
2. Strategische Fragen
der Förderung bürgerschaftlichen Engagements,
3. Umsetzung und
Weiterentwicklung der Leitlinien für Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt Köln.
Aus diesem Anlass
haben wir Ausschussmitglieder (von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke,
FDP/KSG, SPD, Volt, FDP/KSG) gebeten, uns folgende Fragen zu beantworten:
A. Wie zufrieden
sind Sie mit der aktuellen Beteiligungskultur (im Sinne politischer
Partizipation, aktives Einmischen in das Geschehen in der Stadt wie auch in
politische Diskussionen und Entscheidungen)? Wo sehen Sie Stärken, wo Schwächen?
Was wäre ggf. zu tun für eine (noch) bessere Beteiligungskultur?
B. Welche Bedeutung
hat aus Ihrer Sicht das bürgerschaftliche Engagement (Bürgerengagement,
Freiwilligenengagement, Ehrenamt …) für die Stadt und ihre Entwicklung? Wo
sehen Sie einen Bedarf für eine verstärkte oder auch andere Förderung
des bürgerschaftlichen Engagements?
C. Wo steht Köln
aus Ihrer Sicht bei der Umsetzung der Leitlinien für eine systematische
Öffentlichkeitsbeteiligung? Wo sehen Sie ggf. Bedarfe für eine Weiterentwicklung
der Leitlinien bzw. der Praxis einer systematischen Öffentlichkeitsbeteiligung?
Bis zum
Redaktionsschluss haben wir von Bündnis 90/Die Grünen (Patrick Kloß MdR, Sprecher für Bürgerbeteiligung, Anregungen &
Beschwerden), CDU (Martin Erkelenz MdR), FDP/KSG
(Filip Günther, Sprecher für Bürgerbeteiligung der FDP/KSG-Fraktion) und Volt
(Franziska Weber, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Partnerships & Social Media der Volt Fraktion) Antworten erhalten,
die wir im Folgenden dokumentieren. Nach Redaktionsschluss sind die Antworten
von Die Linke (Maria Schu MdR,
Vorsitzende des Ausschusses für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden)
und der SPD (Pascal Pütz, Fraktionsgeschäftsführer) eingangen,
die wir nachträglich im Artikel ergänzt haben.
Wer die Antworten mit
den Kommunalwahlprogrammen vergleichen mag, kann sich unseren entsprechenden
Artikel hierzu vom vergangenen Jahr anschauen: „Kommunalwahl
2025 und kommunale Engagementpolitik“
Tenor der Antworten
Die vorliegenden
Antworten weisen zusammenfassend alle in eine ähnliche Richtung:
Beteiligungskultur
Grundsätzlich wird
eine vorhandene und aktive Beteiligungskultur in Köln gesehen, die jedoch
weiterentwickelt werden sollte. Positiv hervorgehoben werden vorhandene Formate
und die grundsätzliche Bereitschaft vieler Menschen in Köln zur Beteiligung.
Gleichzeitig wird Verbesserungsbedarf bei Zugänglichkeit, Transparenz, früherer
Einbindung und breiterer gesellschaftlicher Repräsentation gesehen. Bisher
wenig erreichte Gruppen sollten stärker angesprochen werden.
Bürgerschaftliches
Engagement
Bürgerschaftliches
Engagement wird eine wesentliche Bedeutung für das städtische Zusammenleben
zugeschrieben. Engagement trage wesentlich zu Bereichen wie Sport, Kultur,
Integration, Umwelt und Nachbarschaftshilfe bei. Um dieses Engagement zu
stärken, werden vor allem mehr Sichtbarkeit, bessere Vernetzung, einfachere
Förderzugänge und eine stärkere Anerkennungskultur als zentrale Aufgaben
genannt.
Leitlinien
Systematische Öffentlichkeitsbeteiligung
Die Leitlinien werden
grundsätzlich als wichtiger und fortschrittlicher Rahmen für Bürgerbeteiligung
bewertet. Gleichzeitig weisen die Antworten bei der praktischen Umsetzung auf
noch bestehendes Entwicklungspotenzial hin. Genannt werden unter anderem eine
verbindlichere Anwendung, bessere Ressourcenausstattung, höhere Bekanntheit
sowie frühere und niedrigschwelligere
Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen in Köln.
Die Antworten im Einzelnen
Beteiligungskultur
Bündnis 90/Die
Grünen
Die Beteiligungskultur
sollte kontinuierlich weiterentwickelt, an aktuelle Rahmenbedingungen und neue
Formate angepasst sowie konsequent barrierefrei gestaltet werden. Die
vielfältigen Beteiligungsformate der Stadt Köln sind ausdrücklich zu begrüßen.
Allerdings zeigt sich, dass insbesondere gut vernetzte Personen aus Initiativen
und organisierten Strukturen häufig überproportional vertreten sind.
Um eine breitere und
repräsentativere Beteiligung zu erreichen, braucht es daher verschiedene
parallele Ansätze (etwa Vor-Ort-Umfragen, digitale Beteiligungsmöglichkeiten,
Bürgerräte oder aufsuchende Formate im öffentlichen Raum). Ziel muss
es sein, auch diejenigen Menschen einzubeziehen, die bislang nur selten
oder gar nicht beteiligt werden.
Zu einer erfolgreichen
Beteiligungskultur gehört zudem eine transparente und niedrigschwellige
Information über bestehende Veranstaltungen und Vorhaben. Informationen sollten
leicht zugänglich, verständlich aufbereitet und öffentlich auffindbar sein,
damit alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, sich frühzeitig und
informiert einzubringen.
CDU
Die Beteiligungskultur
wurde in den letzten fünf Jahren sicherlich durch das Bündnis mit CDU, Grünen
und Volt mit dem Schwerpunkt auf elektronischer Basis ausgebaut. Hier besteht
zweifelsohne eine Stärke, wenngleich sich der Zugang zu elektronischen Medien
insbesondere für ältere Mitbürger auch schwierig gestalten kann.
Bürgerbeteiligung kann
eine gewisse Verzögerung von Projekten zur Folge haben, sodass sorgsam
abgewogen werden muss, inwieweit Bürgerbeteiligung wirklich vertretbar ist
Die Linke
Die Möglichkeiten der
Beteiligungen in Köln sind besser geworden. Wir hatten im Ausschuss für
Bürgerbeteiligung Anregungen und Beschwerden am 06.05.2024 auch einen Antrag
gestellt, in welchem wir bereits Verbesserungsvorschläge machten. Dieser wurde
in Form einer Prüfung am 24.06.2024 auch beschlossen. Leider sind bisher nicht
alle gemachten Vorschläge umgesetzt worden und Prüfungsergebnisse liegen auch
nicht vor. Jedoch wurde unser Vorschlag zur Änderung der Leitlinien bereits
übernommen.
Allerdings dürfen weder
Mitglieder der Bezirksvertretungen noch der Fachausschüsse oder des Rates, eine
Vorlage als unvollständig in die Verwaltung zurücküberwiesen, wenn diese ohne
Mindestaussagen zur Öffentlichkeitsbeteiligung versehen, sind beziehungsweise
diese keine oder eine falsche Begründung für eine fehlende
Öffentlichkeitsbeteiligung enthalten. Dies sollte die Sensibilität innerhalb
der Verwaltung für die Wichtigkeit des Themas Beteiligung sensibilisieren.
Wichtig ist uns vor allem auch, dass es sich stets um Einwohnerbeteiligungen
und nicht nur um Bürgerbeteiligungen handelt. Da der Gesetzgeber
unverständlicherweise hier unterscheidet, müssen wir auf die Wortwahl achten,
damit auch nicht wahlberechtigte Menschen beteiligt werden.
Eine der größten
Schwächen ist es, dass sich viele Teile der Verwaltung noch auf gesetzliche
Vorgaben zurückziehen und nicht mehr machen wollen, als sie wirklich müssen.
Wenn jemand nach dem Protokoll einer Bürgerbeteiligung zur Bebauung fragt und
als Antwort erhält, dass dieses rechtlich eine bestimmte Form einhalten müsse,
die aber nicht barrierefrei sei. Da das Protokoll nicht barrierefrei sei, dürfe
es nicht veröffentlicht werden. Erstickt das
Beteiligung und Engagement, als ob dieses nicht gewollt sei. Aber sogar das
BauGB regelt was mindestens zu tun ist und wann spätestens. Die
Kölner Stadtverwaltung macht daraus ein höchstens und frühestens.
Auch darf es nicht passieren, dass Einwohneranfragen nicht beantwortet werden.
Da fühlen sich die Menschen auch nicht mehr ernst genommen. Das Suggerieren von
Beteiligung, die dann im Endeffekt keine ist, ist schlimmer, als von
vorneherein jede Beteiligung zu verneinen.
FDP/KSG
Aus meiner Sicht sind
wir Kölnerinnen und Kölner eine sehr politisch denkende und meinungsstarke
Gruppe. Wir haben Prinzipien und scheuen uns nicht, diese auch zu artikulieren.
Rheinländer eben
Nichtsdestotrotz habe
ich aus einigen Gesprächen mitnehmen können/müssen, dass viele Bürgerinnen und
Bürger nicht wissen, an welchen Stellen sie ihre Impulse einbringen können.
Hier muss für mehr Transparenz gesorgt werden: einfach, verständlich und
digital. Andere fühlen sich sogar von politischer Seite ausgebremst und halten
ihr potentielles Engagement für im Ergebnis nutzlos. Dieser Eindruck darf sich
natürlich niemals festigen. Es ist tägliche Aufgabe von (Lokal-)Politik, die
Lebensrealitäten der Menschen aufzunehmen und sie ernsthaft in die
Lösungsfindung einzubeziehen. Insbesondere deshalb ist die, oftmals belächelte,
Arbeit des Bürgerbeteiligungsausschusses so wichtig.
SPD
Aus unserer Sicht gibt
es in Köln eine lebendige Beteiligungskultur. Viele Menschen bringen sich in
Initiativen, Vereinen, Bezirksvertretungen, in ihren Veedeln
oder auch digital in politische Diskussionen ein. Das zeigt, dass das Interesse
an kommunalen Themen und an der Entwicklung der Stadt groß ist.
Gleichzeitig erreichen
bestehende Beteiligungsangebote noch nicht alle Menschen gleichermaßen. Gerade
sozioökonomisch benachteiligte Gruppen, Menschen mit wenig Zeit oder geringeren
digitalen Möglichkeiten sind häufig unterrepräsentiert.
Stärken sehen wir in
der Vielzahl vorhandener Formate, in der aktiven Stadtgesellschaft und im
großen Interesse an Themen wie Wohnen, Mobilität, Bildung oder sozialem
Zusammenhalt. Verbesserungsbedarf besteht dort, wo Verfahren zu kompliziert
sind, Informationen schwer verständlich bleiben oder Rückmeldungen aus
Beteiligungsprozessen für Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend
nachvollziehbar werden.
Für eine weitere
Stärkung der Beteiligungskultur braucht es verständliche Informationen,
niedrigschwellige Angebote direkt in den Veedeln,
zusätzliche digitale Beteiligungsmöglichkeiten und eine klare Rückmeldung
darüber, was aus eingebrachten Anregungen geworden ist. Wichtig ist aus unserer
Sicht auch, gezielt Menschen einzubeziehen, die bislang nur selten erreicht
werden, etwa durch Quartiersarbeit sowie Kooperationen mit Schulen,
Jugendzentren und sozialen Einrichtungen.
Volt
Die Beteiligungskultur
in Köln hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, insbesondere auch
durch das Beratungsbüro Öffentlichkeitsbeteiligung [gemeint ist das Kooperative
Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung; d. Red.], Leitlinien für eine
systematische Öffentlichkeitsbeteiligung und den ersten Kölner Bürgerrat 2025.
Sie bleibt jedoch aus unserer Sicht ausbaufähig. Positiv ist, dass viele
Menschen grundsätzlich bereit sind, sich einzubringen – sei es in Veedeln, Initiativen oder digital. Die Stadt Köln bietet
hier über „Sag’s uns“, „Misch mit!“ oder die Ehrenamtsseite auf stadt-koeln.de
starke und gut ausgebaute Werkzeuge.
Gleichzeitig erleben
Bürgerinnen und Bürger Beteiligung aber noch zu oft als schwer zugänglich,
bürokratisch oder wenig wirksam.
Was noch zu tun wäre:
Volt Köln möchte die Beteiligungskultur stärken – durch höhere Sichtbarkeit,
Transparenz der Beteiligungswirkung und einen früheren Einstieg von Beteiligung
bei städtischen Vorhaben.
Dazu gehören:
Bürgerschaftliche
Engagement
Bündnis 90/Die
Grünen
Bürgerschaftliches
Engagement hat gerade auf kommunaler Ebene eine herausragende Bedeutung, ob im
Umwelt- und Klimaschutz, im sozialen Bereich, im Gesundheitswesen oder im
Sport. Es prägt das gesellschaftliche Miteinander und trägt wesentlich zur
Lebensqualität vor Ort bei.
Umso wichtiger ist es,
ehrenamtliches Engagement nicht als selbstverständlich zu betrachten oder bestehende
Strukturen unbeabsichtigt zu schwächen. Vielmehr gilt es, gewachsene
Initiativen und Vereine nachhaltig zu stärken, verlässlich zu unterstützen und
wertzuschätzen.
Gleichzeitig brauchen
neue, insbesondere junge Initiativen eine gezielte „Anlaufunterstützung“ – etwa
durch Beratung, Vernetzung, unbürokratische Fördermöglichkeiten oder die
Bereitstellung von Räumen. Denn Ehrenamt beginnt nicht erst im höheren
Lebensalter, sondern wird bereits von vielen jungen Menschen aktiv gestaltet.
Dieses Potenzial gilt es frühzeitig zu fördern und langfristig zu sichern.
CDU
Bürgerschaftliches
Engagement trägt mit zur Indentifikation der Bürger
mit ihrem nächsten Umfeld bei. Die Identifikation „mit dem Veedel“
stärkt den Zusammenhalt der Bürger und fördert frei nach dem Motto „Mer dun et för
Kölle“ die Gemeinschaft vor Ort. Städtischer Einfluss im Sinne von Gängelei
darf dabei nicht vorkommen. Die Stadtverwaltung sollte hier eher eine
unterstützende Rolle spielen.
Die Linke
Das
zivilgesellschaftliche Engagement lebt von Freiwilligkeit., Es ist das
Eintreten von Einwohner*innen zur Erreichung gemeinsamer Ziele. Es fördert
Gemeinwohl und kann nicht hoch genug geschätzt werden. Leider wird viel zu viel
als Selbstverständlichkeit genommen oder gar nicht als Ehrenamt oder
Freiwilligenengagement wahrgenommen.
Das offensichtlichste Beispiel ist hier der Karneval. In Köln ginge kein
einziger Karnevalszug ohne das ehrenamtliche Engagement zigtausender
engagierter Freiwilliger. In Bürger- und Sportvereinen liefe nichts und damit
in den Stadtvierteln fast nichts, wenn es kein zivilgesellschaftliches
Engagement gäbe. Eigentlich hält genau das die Stadt am Leben und brauchte mehr
Anerkennung und Unterstützung. Tatsächlich werden Ehrenamtlichen eher Steine in
den Weg gelebt. Egal ob es um den Zugang zu einem Stromverteiler geht oder die
Beantragung von Zuschüssen, Erlaubnissen oder Bezirksmitteln, die Bürokratie
frisst einen Großteil des Engagements auf.
FDP/KSG
Bürgerschaftliches
Engagement spielt in vielen verschiedenen Bereichen unseres Zusammenlebens eine
Rolle, die nicht hinwegzudenken wäre. Die Angebote beispielsweise in unseren
Sportvereinen oder auch im Kulturbereich, wären ohne das Ehrenamt nicht
dieselben. Um diesen Einsatz der Kölnerinnen und Kölner zu stützen und wertzuschätzen,
fordern wir weiterhin die Stärkung und Bekanntmachung der digitalen
Plattformen, durch die die Vernetzung von Bürgerinnen und Bürgern und Vereinen
erleichtert werden soll. Außerdem halten wir an einem attraktiven Ausbau der
Ehrenamtskarte fest.
SPD
Bürgerschaftliches
Engagement ist für Köln von zentraler Bedeutung. Ohne Ehrenamt, Vereine,
Initiativen und nachbarschaftliche Unterstützung würden viele soziale,
kulturelle und integrative Angebote in unserer Stadt nicht in der heutigen Form
bestehen.
Engagement stärkt den
gesellschaftlichen Zusammenhalt, macht Stadtteile lebenswerter und bringt
wichtige Impulse für das Zusammenleben vor Ort. Gerade in Bereichen wie Sport,
Kultur, Integration, Bildung oder sozialer Unterstützung zeigt sich täglich, welchen
Beitrag engagierte Bürger*innen leisten.
Um dieses Engagement
dauerhaft zu stärken, braucht es aus unserer Sicht verlässliche Unterstützung,
unbürokratische Fördermöglichkeiten und eine stärkere öffentliche Anerkennung.
Dazu gehören auch verlässliche Ansprechpartner*innen in der Verwaltung sowie
bessere Unterstützung bei Räumen und Infrastruktur.
Wichtig ist zudem,
dass unterschiedliche Lebensrealitäten stärker berücksichtigt werden.
Engagement von jungen Menschen, Menschen mit internationaler Familiengeschichte,
Berufstätigen oder Alleinerziehenden braucht flexible Formate, digitale
Angebote und zeitlich gut planbare Möglichkeiten der Mitwirkung.
Volt
1. Demokratische
Stärkung
Staatliche Strukturen
geben Rahmenbedingungen und Orientierung, können aber soziale, kulturelle oder
ökologische Themen operativ nicht vollständig abdecken.
Hier bildet
Bürgerschaftliches Engagement eine zentrale Säule und den „Kitt“ lebendiger
demokratischer Gesellschaften.
Beteiligung wirkt
integrativ, stärkt demokratische Kompetenzen und schafft soziale Bindung und
gegenseitiges Verständnis. Das Engagement wirkt lokal, bringt themenspezifische
Expertise in Vorhaben und fördert Innovation. Dadurch wird das Erfahren von
Einflussnahme und Bedeutung gestärkt.
2. Soziale Stabilität
und Zusammenhalt
Ehrenamt und
Freiwilligenarbeit halten Köln in vielen Bereichen buchstäblich am Laufen: in
der Geflüchteten- und Integrationshilfe, im Sport, in der Kultur, bei sozialen
Trägern, in Jugend- und Seniorenarbeit, in der Nachbarschaftshilfe und bei
Umwelt- und Klimaschutzinitiativen etc.
Aus Volt-Perspektive
ist dieses Engagement ein sozialer Kitt, der auch Ungleichheiten abfedert. Es
stärkt Begegnung und Verständnis, Integration und ein Miteinander, das über
institutionelle Angebote hinausgeht.
Das Engagement wirkt
lokal, bringt themenspezifische Expertise in Vorhaben und fördert Innovation.
Dadurch wird das Erfahren von Einflussnahme und Bedeutung gestärkt.
3. Innovation,
Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung von unten durch lokale/themenspezifische
Expertise von Bürger*innen
Für Volt ist klar,
dass ohne das Engagement von Ehrenamtlichen, Initiativen, Vereinen,
Nachbarschaftsprojekten etc. und Formaten wie „Sag’s uns“, „Meinung für Köln“ oder weiteren
Formen der digitalen Beteiligung die soziale, kulturelle und ökologische
Entwicklung Kölns nicht denkbar wäre.
Engagierte Menschen
übernehmen Verantwortung, zeigen Missstände sowie Verbesserungs- und
Innovationspotentiale auf. Für innovative Lösungen steht z.B. auch der erste
Kölner Bürgerrat von 2025. Viele Impulse für nachhaltige Mobilität, Wohnen,
Klimaanpassung, Stadtbegrünung, digitale Angebote oder kulturelle Freiräume
entstehen in ehrenamtlichen und gemeinschaftlichen Projekten, die später von
der Stadt aufgegriffen werden können.
Aus Volt-Sicht ist
dies ein enormer Mehrwert: Eine Stadt wird smarter, wenn kreative Energie und
lokale Expertise der Bürger*innen in Planungs- und Entwicklungsprozesse
einfließen.
Allerdings ist auch
klar, dass Engagement offene Strukturen benötigt. Deshalb setzt sich Volt
kommunal für niedrigschwellige Beteiligungsformate, digitale Tools und
transparente Entscheidungsprozesse ein, sodass Engagement wirklich Wirkung
entfalten kann.
Möglichkeiten einer
Stärkung:
Fazit: Für Volt ist
bürgerschaftliches Engagement kein „nice to have“, sondern ein strategischer Bestandteil einer modernen
und resilienten Demokratie, Gesellschafts- und Stadtentwicklung. Köln wird dann
stark, gerecht und zukunftsorientiert, wenn Politik, Verwaltung und engagierte
Menschen partnerschaftlich zusammenarbeiten.
Leitlinien
systematische Öffentlichkeitsbeteiligung
Bündnis 90/Die
Grünen
Die Leitlinien der
Systematischen Öffentlichkeitsbeteiligung bilden eine wichtige Grundlage für
eine transparente und verbindliche Bürgerbeteiligung. Hinsichtlich ihrer
praktischen Umsetzung besteht jedoch Weiterentwicklungsbedarf.
Die Vielfalt der
bereitgestellten Informationen zu städtischen Vorhaben ist ausdrücklich zu
begrüßen. Gleichzeitig sollten die Formate zur aktiven Mitgestaltung noch
passgenauer, zielgruppenspezifischer und niedrigschwelliger ausgestaltet
werden.
Bürgerinnen und Bürger
vor Ort müssen sich bei Vorhaben, die sie unmittelbar betreffen, direkter,
einfacher und frühzeitiger einbringen können. Beteiligung sollte nicht nur
informieren, sondern echte Mitwirkung ermöglichen – verständlich, zugänglich
und auf Augenhöhe.
CDU
Wie weiter oben
bereits beschrieben, konnte der Bereich Bürgerbeteiligung verwaltungstechnisch
im elektronischen Bereich ausgebaut werden.
Als CDU und als
Vertreter der parlamentarischen und der repräsentativen Demokratie sollte bei
der Planung und Integration von Elementen der Bürgerbeteiligung jedoch beachtet
werden, dass bei Entscheidungen letztlich immer ein von den Bürgern
demokratisch gewähltes und kein ausgelostes Mandat stehen muss. Innerhalb
dieses Rahmens ist eine Gestaltung von Bürgerbeteiligung hilfreich und
nützlich.
Die Linke
Nachdem die
Systematische Öffentlichkeitsbeteiligung in Köln seit 2018 Stück für Stück
ausgebaut und weiterentwickelt wurde, sind wir zumindest in der Theorie ein
gutes Stück vorangekommen. Sehr gut ist es, dass die Leitlinien für
Öffentlichkeitsbeteiligung seit 1. November 2025 für alle politischen Gremien
der Stadt Köln gelten (sollen). Leider sehen innerhalb der Verwaltung aber auch
der Politik einige die Beteiligung noch als Hemmschuh oder Verzögerung. Eine
aufsuchende Beteiligung, wie sie zum Beispiel zum Thema Kalker Hauptstraße
durchgeführt wurde, ist mustergültig und führte ja auch zur höchsten
Beteiligung jemals. Dass für die Politik unbequeme Ergebnisse dann in
politischen Gremien zerredet oder hinterfragt oder gar konterkariert werden,
führt hingegen tatsächlich zu Verzögerungen, die schlimmstenfalls sogar dem
Einwohnerwillen widersprechen. Es wäre wünschenswerte, wenn auch die
gesetzliche Beteiligung nicht als Pflichtaufgabe gesehen und freiwillig auf die
Leitlinien erweitert werden.
Schade wäre es, wenn
alle Formen der Beteiligung durch so genannte „Turbos“ durch die Hintertür
wieder eingeschränkt würden. Sehr schön wäre es, wenn den Einwohnern viel
bewusster gemacht werden würde, welche Beschlüsse bevorstehen und sie dazu eine
Beteiligung vorschlagen können. Kaum jemand aus der Zivilgesellschaft verfolgt
das im Ratsinformationssystem.
Demokratie ist eben
mehr als „Wählen gehen“ und kann in Form der Öffentlichkeitsbeteiligung auch
nichtwahlberechtigte Einwohner*innen mitnehmen. Es reicht nicht mehr aus, alle
fünf Jahre ein Kreuz auf einem Wahlzettel zu machen. Vielmehr wollen die
Menschen sich aktiv bei der Entscheidungsfindung in ihrer Stadt mit einbringen,
bei den Themen, die sie unmittelbar oder mittelbar betreffen.
FDP/KSG
Im Vergleich zu
anderen deutschen Städten gilt Köln in dieser Angelegenheit als Vorreiter. Als
eine der ersten Städte wurde hier bei uns das Büro für Bürgerbeteiligung
[gemeint ist das Büro
für Öffentlichkeitsbeteiligung; d.Red.]
eingerichtet und mit auskömmlicher Finanzierung ausgestattet. Die Leitlinien
wurden auf alle Fachausschüsse des Rates ausgeweitet, sodass Bürgerbeteiligung
immer mitgedacht werden muss. Wir halten es für den notwendigen nächsten
Schritt, dass die Verwaltung nun auch in ihren Vorlagen vermerkt, ob im
konkreten Fall Jugendbeteiligung sinnvoll sein kann. Diese Forderung haben wir
in Vergangenheit bereits in den Ausschuss gebracht und wir werden an dieser
Sache selbstverständlich dran bleiben.
SPD
Die Leitlinien für
Öffentlichkeitsbeteiligung sind ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz
und Verlässlichkeit bei kommunalen Entscheidungsprozessen. Köln hat damit eine
gute Grundlage geschaffen, Beteiligung systematischer zu organisieren.
Gleichzeitig sehen wir
bei der praktischen Umsetzung noch Entwicklungspotenzial. Beteiligung sollte
frühzeitig beginnen und nicht erst dann einsetzen, wenn wesentliche
Entscheidungen bereits vorbereitet sind. In der Praxis werden bislang häufig
vor allem diejenigen erreicht, die bereits gut informiert und organisiert sind.
Für die
Weiterentwicklung der Leitlinien halten wir drei Punkte für besonders wichtig:
klare Kriterien, bei welchen Vorhaben Beteiligung verpflichtend frühzeitig
stattfinden soll, verständliche und barrierearme Zugänge zu
Beteiligungsverfahren, um Menschen zu erreichen, die sich ansonsten nicht
beteiligen sowie eine nachvollziehbare Rückmeldung darüber, wie Beiträge aus
der Stadtgesellschaft in Entscheidungen eingeflossen sind.
Nur wenn Bürger*innen
erkennen können, dass ihre Beteiligung Wirkung entfaltet, entsteht dauerhaft
Vertrauen in Beteiligungsverfahren und demokratische Prozesse.
Volt
Die Leitlinien zur
Öffentlichkeitsbeteiligung bilden einen wichtigen Rahmen, und Köln hat damit
grundsätzlich ein gutes Instrumentarium. In der Praxis ist die Umsetzung
unserer Ansicht nach jedoch noch im Aufbau.
Öffentlichkeitsbeteiligung
soll ein selbstverständlicher, planbarer und überprüfbarer Bestandteil
kommunaler Entscheidungen sein – konsequent, modern und bürgernah.
Es gibt positive
Beispiele von Bereichen oder Projekten, die die Leitlinien gut anwenden.
Gleichzeitig kann eine durchgängige, verbindlichen Umsetzung über alle
Dezernate noch besser werden und die Bekanntheit der Leitlinien in der
Stadtgesellschaft gesteigert werden.
Die Wirksamkeit der
Leitlinien für systematische Öffentlichkeitsbeteiligung wächst durch die
Erfahrung im Umgang mit ihnen.
Punkte der weiteren
Entwicklung, die wir aber in den Richtlinien auch schon z.T. beinhaltet sind:
Aktualisiert am
18.03.2026
Unsere alltägliche
Umgebung hält oft mehr Überraschungen bereit, als wir vermuten: Sobald wir von
unseren gewohnten Wegen abweichen, entdecken wir – oft direkt vor unserer
Haustür – unbekanntes Terrain. Das lässt uns auch auf jene Dinge und Orte neu
blicken, die uns tatsächlich seit langem vertraut sind.
Wie verändert sich
unser Blick auf Vertrautes durch neue Wege – aber auch durch die Besprechung in
der Gruppe? Welche neuen Möglichkeiten im Stadtraum tun sich auf? Welche
Ärgernisse bleiben bestehen? Was müsste dringend angegangen werden und was hat
Zeit oder erledigt sich vielleicht sogar irgendwann von selber? Diesen und
weiteren Fragen wollen wir auf unseren Spaziergängen nachgehen und das
Entdecken von Orten mit dem Notieren von Ideen und Vorschlägen, Utopien und
Beschwerden, verbinden.
In zwei Folgetreffen
üben wir anhand dieser Notizen, wie sich eine Auswahl der gesammelten Anliegen
in politische Entscheidungsprozesse einspeisen lässt – z.B. über eine Eingabe
bei den zuständigen politischen Gremien oder über die Schaffung einer breiteren
Öffentlichkeit.
Termine:
11.4. 10h-15h
20.4. 18h-20h
18.5. 18h-20h
Anmeldung:
Max Dafeld
Tel. 0221-221-97002
email: vhs-regional-porz@stadt-koeln.de
Bitte beachten:
Zu den Spaziergängen feste Schuhe und wetterfeste Kleidung mitbringen.
Mobilitätseingeschränkte Personen werden um vorherige Mitteilung gebeten, damit
eine individuelle Lösung gefunden werden kann.
https://www.koelner-vhs.de/kurssuche/kurs/Spaziergang-mit-Nachspiel/26P111005
Unter diesem Titel
findet am Montag, 18. Mai 2026, 17:00 – 19:00 Uhr, eine Online-Veranstaltung
statt, die von unserem Bereichsleiter Politische Partizipation, Dieter
Schöffmann, organisiert wird – in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher
Vorsitzender des 3WIN e.V.
Institut für Bürgergesellschaft.
Mit der Veranstaltung
wird vor allem folgenden Fragen nachgegangen: Welche zivilgesellschaftlichen
Entwicklungen zur Verteidigung der Demokratie gibt es aktuell in den USA? Was
können wir für Deutschland hieraus lernen? Wie könnte eine Unterstützung aus
der deutschen für die US-Zivilgesellschaft aussehen? Diese Fragen ließen
sich auch weiter runterbrechen: Was können wir für Köln hieraus lernen, und wie
könnte eine Unterstützung aus Köln für US-amerikanische Akteure auf lokaler
Ebene aussehen?
Eingeladen sind Aktive
und Interessierte aus zivilgesellschaftlichen bzw. politischen Zusammenhängen
in Deutschland und selbstverständlich auch aus Köln.
Alle Infos zur
Veranstaltung, zum Programm, den Impulsgebern und den Anmeldemöglichkeiten gibt
es auf der 3WIN-Website.
In dem Blog demokratie.plus
beschreibt Jörg Sommer, Direktor des Berlin Institut
für Partizipation und als Koordinator der Allianz
Vielfältige Demokratie, in inspirierender Weise die
Beteiligungspraxis eines befreundeten Bürgermeisters. Ein wesentliches
Praxiselement ist die gezielte Ermutigung von Widerspruch und die Wertschätzung
von Protest bzw. Widerstand. Ein solcher Ansatz könnte sicher auch für Köln
sinnvoll sein.
Hier geht es zum dem Artikel von
Jörg Sommer: „Wertvoller
Widerstand. In einer funktionierenden Demokratie ist Widerstand keine Störung,
sondern eine Ressource.“
Seit einigen Jahre
Organisiert der metro_polis e.V. in
Dresden moderierte Kleingruppengespräche unter den Fahrgästen der sächsichen Straßenbahnen. Mithilfe einer eigens
entwickelten App werden hierzu unterschiedliche „Fahrgastgenerationen“
miteinander ins Gespräch gebracht.
Die Ideengeberin und Projekleiterin Kristina Krömer stellt in ihrem Gastbeitrag
für den Newsletter „Wegweiser Bürgergesellschaft“ die Methodik des
Projekts vor, das in der Gesprächsmoderation einen Fokus auf die Erörterung von
Erfahrungen anstelle von Meinungen setzt.
Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat
in der Doppelausgaben 3+4/2025 ihres Magazins „DJI Impulse“ mehrere Beiträge
zur Frage veröffentlicht, „eine stärkere Mitbestimmung von Kindern und
Jugendlichen im pädagogischen Alltag sowie in politischen Prozessen ermöglicht
werden kann.“ Es werden die Chancen und Grenzen einer Jugendbeteiligung und
die komplexen Voraussetzungen für echte Partizipation aufgezeigt.
Hier geht’s zur PDF-Version
der Publikation.
Gemeinsames
Engagement für eine starke Gemeinschaft: 16. Kölner Marktplatz „Gute Geschäfte“
lädt zur Vernetzung & Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung ein
In einer Zeit, die von
Unsicherheiten geprägt ist, gewinnt bürgerschaftliches Engagement eine noch
größere Bedeutung. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürger Torsten Burmester
für die Kölner Freiwilligen Tage lädt der 16. Kölner Marktplatz Unternehmen und
gemeinnützige Organisationen ein, sich im Rahmen einer einzigartiger
Kontaktbörse für unternehmerisches Engagement zu vernetzen und gemeinsame
Projekte für den guten Zweck innerhalb einer Stunde zu verhandeln.
Datum & Zeit: Dienstag, 28. April 2026 um 18 Uhr
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Dreikönigenstrasse
23, 50678 Köln
Alle 2 Minuten
entsteht ein gutes Geschäft – seien Sie als Unternehmen mit Ihrem Angebot an Know How, Zeit, Sachspenden oder
Helfenden Händen dabei – stellen Sie als Gemeinnützige Organisation Ihr
Projekt, für das Sie dringend Unterstützer*innen suchen vor !
Im Speeddating-Format
haben Unternehmen die Gelegenheit, mit gemeinnützigen Organisationen in Kontakt
zu treten, gemeinsame Projekte zu besprechen und verbindliche Vereinbarungen zu
treffen. Die Veranstaltung bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten des
Engagements, sei es durch Unterstützung mit unternehmerischem Know-How, als Kooperationspartner:in
für Veranstaltungen oder Öffentlichkeitsarbeit, durch Sachspenden für
nachhaltige Projekte oder durch aktives Mitwirken vor Ort als „helfende Hände“.
Der Kölner
Marktplatz wird in diesem Jahr von folgendem Veranstalterkreis für alle
Teilnehmenden kostenlos organisiert: AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH, Coach e.V., Industrie- und
Handelskammer zu Köln, Jugendzentren Köln gGmbH, Kölner Freiwilligen Agentur
e.V., KG Ponyhof e.V., KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Paritätischer
Wohlfahrtsverband – Kreisgruppe Köln, Sozialdienst Katholischer Männer e.V.,
Stadt Köln / Kommunalstelle FABE, VHS Köln, Wirtschaftsjunioren Köln e.V.
Wir laden Sie herzlich
dazu ein, beim Kölner Marktplatz „Gute Geschäfte“ dabei zu sein.
Anmeldung und
weitere Informationen zum 16.
Kölner Marktplatz „Gute Geschäfte“ finden Sie unter www.koeln-freiwillig.de/marktplatz
Dieser Newsletter wird
herausgegeben von der Kölner Freiwilligen Agentur e.V. | Bereich
"Politische Partizipation"
Redaktion: Leon
Oerder, Dieter Schöffmann (v.i.S.d.P.), Boris
Sieverts, | Ausgabe #1/2026 – 26.03.2026
Fotos: Alle Fotos ©
Kölner Freiwilligen Agentur e.V. – außer wenn anderweitig angegeben
Kölner Freiwilligen
Agentur e.V. | Politische Partizipation, Clemensstr. 7, 50676 Köln, 0221
888278-16, beteiligen@koeln-freiwillig.de